August

(english below)
Es ist Mitternacht in Mittelitalien. Das Thermometer zeigt 30 Grad.
Einatmen. Ausatmen.
Wie lange ist es her, dass ich mich in einer Stadt verloren habe?
Morgen in Bologna. Der Verkünder verkündet die Erschöpfung an einer Bushaltestelle.
Am Rande des Parks sagt sie zu ihr, dass sie einfach warten solle, bis sie an der Reihe sei und dass sie ja auch nur zwei Hände hätte, wie sie. Und das sei nicht selbstverständlich.
Caffè?
Abend in Berlin. Bitte, darf ich, darf ich Ihren Hund kurz streicheln?
Eine Nacht nur will ich bleiben. Eine Nacht in der Blümchentapete, die mir der alte Künstler einmal vorgeworfen hatte. Zu gesucht als Wort, sagte er. Ja. Aber – sagte ich – es waren Blümchen auf der Tapete.
Trotzdem.
Und nein, der Tintenstrahldrucker gehört zu einem anderen Thema. Und wir wissen nicht, ob Ovid oder Homer die Legende der Medusa für uns Nachfahren aufgeschrieben hatte und es ist noch zu heiß für Google.
Doch dann.
Do your research!
Was zeigen sie dir?
Wo bekommt man eine günstige Rolex? Muss kein Gold dran sein. Nein, nein.
In meinem nächsten Leben bin ich ein Algorithmus. Anpassungsfähig. Vorausschauend. Empathisch. Wertfrei.
Afghanistan? Afghanistan.
Ich sehe immer noch keine Sternschnuppen aus dem Himmel fallen für mich.
Geheimnis bleibt der Wunsch, die Zeit.
Das Thermometer zeigt 28 Grad. Und so wird es gewesen sein, in einer jener Nächte im achten Monat dieses Jahres in Mittelitalien.
Ein Gedanke reihte sich an einen anderen und zwischendrin viel Pause mit Atmen.
Einatmen. Ausatmen.

Veröffentlicht von Les Nouveaux Riches – Magazin für Kunst und Kultur, August 2021.

August
It is midnight in central Italy. Thermometers show 30 degrees.
Breathing in. Breathing out.
How long has it been since I lost myself in a city?
Morning in Bologna. A self-appointed herald announces a general exhaustion at a bus stop.
At the edge of the park, she tells her to wait her turn and that, after all, she only has two hands, like her. And that is not a matter of course.
Caffè?
Evening in Berlin. Please, may I, may I pet your dog for a moment?
I want to stay one night. One night in the flowered wallpaper that the old artist once accused me of. Too sought after as a word, he said. Yes. But there were flowers on the wallpaper, i said.
Nevertheless.
And no, the inkjet printer belongs to another subject. And we don’t know whether Ovid or Homer had written down the legend of Medusa, and it’s still too hot for Google.
But then.
Do your research!
What do they show you?
Where can you get a cheap Rolex? Doesn’t have to be gold on it. No.
In my next life, I’m an algorithm. Adaptable. Predictive. Empathic. Free of any value.
Afghanistan? Afghanistan.
I still don’t see any perseids falling from the sky for me.
A secret remains the wish, the time.
Now thermometers show 28 degrees. And that’s how it will have been one of these nights in this years eighth month in central Italy.
One thought followed another, and in between, there was a lot of pausing to breathe.
Breathing in. Breathing out.