Aktuelle Arbeit: Monolog einer Zimmerpflanze. 

Alle LESETERMINE im Frühling 2020 wurden VERSCHOBEN. 

Neue Daten folgen, so bald bekannt.

Lesung & Ton Tour 2019 von Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft. Mix aus Performance und szenischer Lesung. Kraft und Ciarloni lasen und vertonten zwei Stories und ein Manual aus dem Erzählband «Bernstein und Valencia». Die beiden Künstlerinnen wirkten sorgfältig und bei vollem Bewusstsein über das Komplexe beim Abschweifen. „Kraft und Ciarloni – experimental ineinandergreifend, chaotisch schön, durchdacht interdisziplinär, sentimental auch, lustig auch.“ Fay Arnold von Kola Azur.

THIS WAS:

Am 16. März 2019 Premiere/Installationen im Haus zur Glocke in Steckborn bei Judit Villiger.
Bettina Schnerr von Thurgaukultur.ch hat ausführlich berichtet. Lesen Sie hier «Eine Welt versinkt im Chaos».

Am 23. März traten sie im NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst bei Scuol auf. Am 27. März füllten sie das Fabriktheater der Roten Fabrik in Zürich zwar nicht ganz. Dafür klang der Ton ausgezeichnet und das Licht fiel schön. Am 3. April gingen sie in Bern durch das vorletzte Schneegestöber nach Kairo und sie waren nicht ganz allein. Das Publikum klatschte warm. Am 25. April 2019 haben sie im Neubad, Luzern gelesen und getönt. Für den Abend des 26. April 2019 lud sie das Bagno Popolare an den Thermalwasserbassindrand im Schweizerhof Baden ein. Manche ließen sich im Wasser hin und her treiben, einer gurgelte mit. Und am Abend des 7. Mai 2019 tappten sie barfüßig auf der Bühne der Brotfabrik in Berlin. 

SPOT:
https://vimeo.com/320761086

CONTENT:

«Alles in Ordnung»: Es geht um ein Haus wie ein Labyrinth, in welchem sich ein Mädchen verläuft, um nach der Tante zu suchen. In den Räumen und auf den Gängen wimmelt es von Gestalten, Essen wird gekocht, Menschen kommen zusammen, ein Aquarium bricht, Welse schwimmen in den Speisesaal. – In der zweiten Geschichte («Evelyn oder Tod eines Törtchens am Thermalwasserbassinrand») geht es um den Verfall eines Hotels, wo Schmauchpilze wüten und eigentlich schon lange keine Gäste mehr leben dürften. Mittels Wort und Gesang und analog wie digital erzeugtem Ton sowie einem gefilmtem Manual erzählen die beiden Künstlerinnen in zwei Texten Fiction und schließlich fordern sie ein Gedankenexperiment indem sie das Publikum im dritten Teil anweisen «wie man sich selbst als Fisch zeichnet».

Durch Wort, Bild, Ton und den Einsatz ihrer Körper kreieren Ciarloni (Lesestimme und Dreh-Instrumente) und Kraft (Stimme und Tondichtung) Dissonanzen und synchrone Momente im Denkraum des Publikums.

BACKGROUND:

Kennengelernt haben sich die beiden Künstlerinnen beim Einsteigen in einen Hotelkomplex im Rauschen des Inns am Übergang zum Gemeinschaftskühlschrank im Zentrum für Gegenwartskunst NAIRS im Engadin. Eine Zigarette, zwei Zigaretten weiter beschlossen die beiden im harten Bündner Winter bei ungefähr 1 Meter 20 Schnee die Zusammenarbeit.

Werbung für ein neues Buch, erschienen 12.2017

Morgens, mittags und abends. Mehrere Jahre. Vom Strandtuch aus fotografierte ich ein Vorkommnis. Strandläufer. Dem Ufer entlang, strandauf strandab, am Übergang zwischen Atmen und Eintauchen, gehen Männer eher alleine. Sie denken nach, lachen vielleicht oder fragen sich leise – und womöglich auch das Meer – nach einem Weg nach Anderswo, einer Abkürzung zurück zum Strandtuch, einem Umweg. Manche sprechen, still die Lippen bewegend, einen Disput nach, denken sich, was sie mit mehr Mut, mit mehr Wachheit hätten einwerfen können oder sollen. Ich weiß es nicht, ich habe sie nicht gefragt. Im Buch bekommen sie Raum und Ruhe, wovon sie vielleicht gar nie geträumt haben. Seite um Seite gehen sie an des Lesenden Horizont dem Ufer entlang, stundenlang.

Mehr geschieht nicht.

Strandläufer, lungomare ist meinem Vater gewidmet, der einer von ihnen hätte sein können. Das Buch entstand an der Riviera Adriatica, zwischen Rimini und Ancona.

Bilder und Aufsatz von Sibylle Ciarloni (Deutsch-Italienisch). Gedichte (Italienisch-Deutsch) von Andrea Angelucci, Schriftsteller in Fano.

 

In der Auslage bei Never Stop Reading an der Spiegelgasse in Zürich (Bild)

Credits: Andrea Angelucci, Fano. Amsel Verlag, Zürich. Milenko Lazic, Zürich. Acapulpo Edition. Corinne Zora Schiess, Aarau. Newpress, Smederevo bei Belgrad. Sebastian Graf, Zürich. Francesca Fantuzzi, Zurigo. Julian Käser, Siebdruck 27 in Altstetten (der die Silhouetten der Strandläufer auf Frotteetücher siebdruckte – alle wurden verkauft). Danke auch Stefano Ciarloni, San Costanzo. Beate Frommelt, Zürich. Christine Glave, Zürich. David Siepert und Stefan Baltensperger, Zürich. Allen Buchhandlungen und Concept Stores, die das Buch verkaufen. Allen Strandläufern. Und dem Kosmetiksalon Bar Babette in Berlin, wo ich den Band im Juni 2018 an Info on Books präsentiert habe.

Im Januar 2020 habe ich die deutschsprachige und die italienische Version der Erzählung auf meinem Blog publiziert. Jean Til und Vera Frontfrau haben den Text Ende März 2020 im Wien der Corona-Zeit vertont.

Mai 2020, Sibylle Ciarloni

Zur Finissage von KOMPLIZEN in der TART Galerie in Zürich intervenierten am 14. Oktober 2017 Bettina Diel und Sibylle Ciarloni mit ihrem Flugblattdrucker. Zwischen dem 8. und dem 17. November zeigten wir die Arbeit auch in der Sattelkammer Bern, im Rahmen von Bettina Diels Einzelausstellung DELICATE STUFF.

„Komplizen?“ Wer sind sie? Vertraute, Mitläufer, Partner? Legt die Komplizenschaft ihr Schattendasein tatsächlich zusehends ab? Oder legitimieren sich die Opportunisten?

Die Ausstellungsmacher in Liechtenstein und Zürich: „Im Verlauf der letzten Jahrzehnte lässt sich ein mehr und mehr legitimiertes Komplizentum beobachten – Vernetzung baut sichtbare und unsichtbare Brücken zwischen Orten, Menschen und Potentialen. Ist diese Vernetzung ein nicht enden wollender Zeitgeist, eine unabdingbare Haltung auf dem Weg zu erfolgreichen Vorhaben? Oder ist sie einfach nur die gelebte Erkenntnis, dass Kooperation größtmögliche evolutive Momente schafft?“ Das Projekt solle sich wie ein Organismus zwischen kollaborativem Arbeiten und kooperativem Austausch in heterogenen Feldern bewegen und stellte einen temporären Ort für Dialog und Zusammenarbeit innerhalb einer experimentellen Plattform her. Unterschiedlichste Motive für Ausdrucksformen und Grenzen von Zusammenarbeit wurden erforscht, ausgelotet und präsentiert.

Nach dem Beginn des Ausstellungsprojektes, das zwischen Juni und August 2017 im Kunstraum Engländerbau in Vaduz stattgefunden hat, wanderte der Organismus nach Zürich, um mit der TART Zürich einen zweiten Ausstellungsort zu bespielen und neue Komplizenschaft zu ermöglichen.

Ich wurde von der Künstlerin Bettina Diel angefragt, ihre Komplizin zu werden. Daraus entstand ein Briefwechsel, der auslotet, was nicht dingfest gemacht werden kann. Freundschaft, Liebe, Geschäftsbeziehung, Komplizenschaft, Begegnung, das Dasein. Wir nennen ihn ANNÄHERUNG und flugblattdruckten das Werk.

Annäherung in der TART Galerie in Zürich.
2017, Canon Drucker, Papier A4, Errex 50x55cm, Serifenschrift, Workflow mit Automator

Im Studio von Zuzanna Skiba stieg ich am 4. November 2017 auf einen Worthaufen und las ihn so konzentriert wie schön hinunter. Ich summte zwischen den Worten und sang dann doch ein halbes Lied. 

Atelieretage AR_29, Raum 586, Zuzanna Skiba, in Alt Reinickendorf 28-29, Berlin. Künstlerinnen und Künstler zeigten an zwei Tagen ihre Werke in den Ateliers. Zuzanna Skiba lud befreundete Künstlerinnen und Künstler ein, sich zu beteiligen. In der Umarmung all der Arbeiten, die sie für ihre Ausstellung ausgewählt hatte, war ich die flüchtige Lebendigskulptur mit Sprechgesang. 

„Es war ein schönes Gefühl, sagte sie. Ein schönes Gefühl.“ (Aus dem Text.)

Es gibt so Ideen, sich vorzustellen, dass die Welt in Ordnung zu bringen sei. JOSHI in Blade Runner 2049: There’s an order to things. This turns it. That’s what we do here, we keep order.

In Weltatlas – ein verlorener Gedanke werden ein paar solcher Vorstellungen miteinander vermengt. Der Blick drängt aus dem Chaos an den Horizont. Durch die Bewegungen der Figuren und das Verschieben von Grenzen und Zeiten gelingen vielleicht Annäherungen. Weltatlas – ein verlorener Gedanke ist ein gelesenes Stück über das Aufräumen von Dingen die Welt betreffend. Erzählt wird von den Umwegen des Atlaskindes, vom Verzweifeln des Kartografen und von der Frau, die unter anderem für die Farben der Zeit zuständig ist. Dazu Ordnungsgeräusche zur Verunsicherung. Eine Rolle spielen auch Zollpapiere zur Identifikation. Also all das + vom Himmel und vom Meer und von der Naht, die die Welt zusammenhält. Eine Zimmerpflanze beschützt die Arbeitsatmosphäre und spendet Natur. Und auch sie sagt schließlich noch etwas.

Viele waren die Inspirationen zu dieser Arbeit. Nach Andreas Anter ist Ordnung das Grundproblem der Politik; ein Artikel über dieses Thema und sein Buch „Die Macht der Ordnung“ hat mich vor allem zu dieser Arbeit bewegt. Dazu Heinz von Foerster, der sagte: „Von den Fragen, die wir stellen über die Welt, gibt es solche, die man beantworten kann.“

Die Produktion des Hörstücks wurde gefördert von der SRKS – Stiftung für Radio und Kultur Schweiz. Die Veranstaltungen (2015-2017, in Zusammenarbeit mit der Videokünstlerin Silja Dietiker) wurden von der Stadt Baden und vom Kuratorium des Kantons Aargau unterstützt.

Idee, Text und Töne: Sibylle Ciarloni
Koproduzenten: Radio Kanal K, Mr. Bob Production.
Stimmen: Alice Sager, Carsten Nemitz, Sibylle Ciarloni, Geräte und Dinge.

Das Hörstück wurde am 27. September 2017 auf Kanal K ausgestrahlt. Danke Rolf Schöner, Programmleiter, für die Einbettung in den K-Punkt auf Kanal K. Der Film Blade Runner 2049 kam eine Woche nach der Sendung des Hörstücks und einige Wochen nach Abschluss der über drei Jahre an verschiedenen Orten gelesenen Stück in die Kinos.