Wie geht es Ihnen? Schauen Sie zurück? Warum posten viele Menschen Bilder aus ihrer Kindheit in den sozialen Medien? Was geben sie preis? Wem schenken sie die Bilder von damals? Was zeigen sie? Und was ist das jetzt? Das was hier still, geruchlos, unsichtbar den Menschen den Atem raubt und der Natur das Atmen zurückgibt. 

Vor ziemlich genau neun Jahren lernte ich von Baiba Kraniche zu falzen. In ihrer geduldigen und freundlichen Art hat sie neben mir gesessen und gefalzt und gefalzt und ich ihr nach, dann rief ich wieder «halt» und sie hielt inne und zeigte mir wie weit der Vogel in ihrer Hand schon gediehen war und sie schaute auf das was ich in den Händen hielt und sagte vielleicht, hier musst du andersrum falzen, oder das muss genau aufeinanderpassen, sonst hast du nachher keinen schönen Vogel. Natürlich wollte ich einen schönen Vogel. Viele schöne Vögel. 

Wir hörten vielleicht Musik, ich weiß es nicht mehr genau. Es waren noch andere da, die auch Kraniche falzten. Sie wurden startklar gemacht für die Luftpost. Und Baiba packte sie alle in Kartonschachteln. Morgen müssen sie los. Sie waren für Japan bestimmt. Dort hatten ein Erdbeben, ein Tsunami und ein leckes Atomkraftwerk eine Katastrophe geboren, eine Reaktorkatastrophe, bei der viele Menschen starben, krank wurden. Und wir alle, bis auf die anderen, dachten damals wieder einmal, dass sich bei den Menschen nun etwas ändern würde, in Bezug auf ein verantwortbares Leben als Teil der Erde. 

Kraniche sind ein Symbol für Kraft und Glück, das man jemandem wünscht, und wir falzten tausende, und beim Falzen beteten wir still für die Menschen dort, für jene, die gestorben sind und für die, die noch lebten. Heute können wir die Kraniche für unsere Nächsten falzen. Und für jene, die unsere Nächsten in ihren letzten Tagen und Nächten betreuen. Ich fand ein stilles, langsames Video von zwei geduldigen, schönen, einen Kranich falzenden Händen. 

Denken wir beim Falzen jetzt vielleicht wieder daran, dass sich etwas verändern wird. Fragezeichen. Oder sagen wir einfach, die Gesellschaft oder die Welt (was mir nun doch etwas weit gefasst scheint) wird eine andere sein nach Corona. Fragezeichen.

Wir sollten formulieren, was wir für unsere Zukunft wollen. Gerade können wir bei uns selbst anfangen, wir können falzen und beten, schlafen und lesen, einander zuhören und dankbar werden, Listen schreiben und sie wieder verwerfen, still sein, da sein, absichtslos oder auch nicht, einander auf zoom beim dancing with myself zuschauen und dann doch … endlich … nachdenken. Darüber: … und jetzt? 

Wollen wir Aussichten auf solidarische Zusammenlebensformen schaffen, die auch unserer Verletzbarkeit gerecht werden und nicht nur den Leistungen, die wir zu erbringen haben und die wir minutiös kontrollieren (lassen), ob sie denn auch rentieren?!

Oder warten wir mal einfach auf die Normalität, die die ersten schon wieder zurückhaben wollen? Was genau wollen wir davon noch haben?

Verschwenden wir diese Tage nicht damit, die Zeit totzuschlagen oder die Kurven der Länder zu vergleichen. Wir haben besseres zu tun als eine derartige Reaktionskatastrophe zu produzieren. Schaffen wir am Nachher. An guten Aussichten. 

Allerdings dürfen diese nicht von Rating-Agenturen bewertet werden. Auch jetzt versprechen Regierungen Geld oder sie weissagen, der Peak werde nächste Woche erreicht sein, und nach dem Verdikt von Fitch, Moody‘s usw. verändern sich die die Börsen-Indizes. Es wird an Bewertungssystemen festgehalten, die nicht mehr gelten können. 

Wir müssen formulieren und wertschätzen, was wir meinen, sei wertvoll. Soll sofort mit der Arbeit und dem Austausch anfangen, wer Zeit hat und nicht mit Krankheit und dem eng gewordenen Alltag hadert. Verwenden wir diese Tage für die Verantwortung, die wir mittragen, wenn wir offenbar wieder Wir sagen und es für einmal nicht national oder regional gemeint ist. Es ist Zeit, uns in die Politik der Natur einzuarbeiten, damit wir als Menschheit in ihrer Zukunft vielleicht eine Stimme bekommen. Die Natur ist nicht auf uns angewiesen, wir sind auf sie angewiesen. Das müssen wir doch verstehen!

Ich setze mich jetzt an meine Liste, still und mit guten Gedanken Kraniche für jene falzend, die sie brauchen können in dieser Zeit, in dieser Reaktionskatastrophe… There is work to be done! 

Weiterdenken:

Every night in the world

every night in the world

every night in the world

is a night

in a hospital

Robert Lax

Die gelbe Flagge ist die Qflag. In der Schifffahrt unserer Zeit verwendet um anzuzeigen, dass alle an Bord gesund sind. Speriamo bene!

Saskia Sassen, talking with Srecko Horvat (both member of DiEM25.org, Democracy in Europe Movement):

What if this is the beginning of a possibility?

DiEM25 TV – people thinking about the time after the virus.

Auch andere Talks auf Youtube im Diem25 Channel sind interessant, bspw. das Gespräch zwischen Brian Eno und Yanis Varoufakis oder zwischen Astra Taylor (What is democracy?) und David Alder.

It’s easy, origami cranes, concentrate on this!

How Paper Cranes Became a Symbol.

Matthias Horx – Ein interessanter point de vue: Die Zukunft nach Corona.

Als ich meine Mutter (65++) in der Schweiz anrief, um zu fragen, wie es ihr gehe und wie sie mit dem Corona Virus umgehe, da hatte ich vorab schon seit mehreren Tagen darauf gewartet, dass mir ihre Antwort einigermaßen egal sein würde. Das war weise, denn die Antwort war: Ich passe schon auf. Ja ja. Und: Nein, nein, ich gehe immer mit dem Fahrrad zum Einkaufen und ich fahre auf dem Weg hintenrum. Sicher nicht via den Bahnhof. Nein, Handschuhe, was, sicher nicht. Ich wasche mir schon die Hände. Ja, ja. Mit Seife. Ja, ja. Ich bin ja nicht krank, mir geht es gut. 

Meine Schwester hatte ihr angeboten, für sie einkaufen zu gehen und sie sagte ihr auch, dass sie sie nicht im Haus besuche, sondern die Tüte jeweils auf dem Gartensitzplatz deponieren würde und sie beide könnten ja dann da draußen unter dem Dach noch miteinander schwatzen. Aber: Nein, nein, habe sie gesagt. Ich war doch immer selber einkaufen, das geht nun also viel zu weit. Und ja ja, ich wasche mir ja die Hände. Ich weiss gar nicht, was ihr habt. 

Ich so: Hier sterben ganz viele ältere Menschen.

Sie so: Ja, aber die sind alle sowieso schon krank. 

Ich so: Du musst auf dich aufpassen und auch auf die anderen. 

Sie so: Welche anderen?

Ich so: Dein Freund, deine Freundinnen.

Sie so: Ja, also jetzt hör doch auf. In Italien haben sie halt nicht so gute Spitäler. 

Ich so: Es geht darum, dass man mit der Krankheit, wenn sie einen schlimmen Verlauf nimmt, von einer Beatmungsmaschine abhängig sein wird und das für mehrere Wochen. Und kein Land hat so viele Beatmungsmaschinen wie wahrscheinlich benötigt werden. Zudem könntest du auch Trägerin des Virus sein, ohne dass du etwas bemerkst und dann andere in deiner Nähe anstecken. Bla bla bla.

Sie so: Ja, aber ich bin ja gesund. 

Vielleicht müssen wir ihr sagen, dass wir uns um sie sorgen. Vielleicht sollten wir nicht Verbote aussprechen oder vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger hin und her wackeln, wie sie es früher getan hatte, statt uns zu sagen, dass sie sich um uns sorgt, weil sie uns gern hat… Lieben ist noch ein anderes Wort. 

Ich nahm mir vor, ihr das mit der Liebe erst zu sagen, wenn mir ihre Antwort egal sein wird. Doch die Zeit habe ich nicht, dachte ich (verantwortungsvoll), also rief ich sie am gleichen Tag noch einmal an.

Sie so: Ja ja. Jetzt übertreib es nicht. 

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Jede und jeder trägt die absolute Verantwortung. Niemand kann in dieser Zeit nur sich selber gegenüber Rechenschaft ablegen. Denn dieses Virus macht kein Halt vor schlimmen Frisuren, vor reichen Tanten und vor netten Grafikern – zum Beispiel. So sind wir plötzlich alle Menschen eine Gemeinschaft geworden. Ist das nicht eigentlich schampar schön? Bla bla bla.

Überlegungen zur Evolution und deren Berechnungen, zur Hingabe, zum Zuhören, zu den Anpassungen und zu neuen Wesen

Letztes Jahr im Herbst dachte ich, ich müsste nichts mehr schreiben und was ich sagen kann, hätte ich schon gesagt. Zugegeben, das wäre dann noch nicht viel und die Dinge schleichen sich aus meinem Fundus, den ich vorzu unordentlich in meinem Gedächtnisschrank und in mehreren komplexen Ablagesystemen oder digital ergänze, erneut in mein aktives Gedächtnis und fügen sich zueinander, ergänzen ältere Gedanken und neue. Und auch zugegeben, ich bin eigentlich bloß schreibfaul geworden in dem heißen Sommer 2019, an den ich mich und meine Vorhaben allesamt hingegeben habe. Einzig an lauschigen Schattenstellen und in der Nacht entstanden Zusammenhänge, konnte man einander zuhören, etwas denken, lesen vielleicht, schreiben. Tagsüber war nur ein Minimum an Arbeit möglich. Die Anpassung war übrigens nicht schwierig.

Als ich vor mehr als zehn Jahren «Die Geschichte vom Ohr» schrieb, da war ich mir eines gewöhnlichen Morgens sicher, dass die Fähigkeit zuzuhören, sich nach anderen Existenzmöglichkeiten umschaut und die beiden überflüssigen Organe am Menschenkopf sich früher oder später von selbst abbauten und in Einzelteile auflösten. Viele lachten über die Vorstellung, dass die von der Haut getrennten Ohrknorpel sich auf der Mülldeponie paarten und daraus neue Wesen entstanden. 

Es war ja bloß eine kleine Evolutionshochrechnung, aber ich fand sie ganz passend und meine nach wie vor, dass viel mehr geredet als zugehört wird und dass man in der Erwachsenenbildung Kurse im Zuhören einführen sollte. Jetzt, wo das Insichkehren, vor allem aber zunächst das Zuhausebleiben, Pflicht wird, jetzt wird vielleicht ein Bedürfnis dafür geweckt.

Vor ein paar Monaten war das Virus erst in China und noch wusste wohl niemand in Europa davon und Weihnachten stand vor der Tür. Ich saß im Zug nach Wien. Es lag Schnee in den Bergen hinter Bozen. Ich las über einen Forscher, der die Hirnströme in Zeiten digitaler Informationslawinen und permanenter freiwilliger Aufmerksamkeitshingabe an Bildschirme wie denjenigen der smartphones, laptops und Co. misst und in der Zwischenzeit feststellte, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Menschen um ein Vieles abgenommen hat und sich das Hirn bereits den neuen Gewohnheiten anpasst und diese Anpassung sich in die Erbinformation des Menschen schreibt. 

Ich rechne hoch.

So brauchen wir keinen individuellen Weg mehr, auf dem wir uns hin und wieder für unser Selbstbezogensein entschuldigen. Wir essen, was man uns gibt. Wir säen Samen-Hybriden, aus denen unfruchtbare Einwegpflanzen wachsen. Wir folgen dem Algorithmus, der uns individuell auf uns zugeschnittenen Produkte vorschlägt. Wir glauben ihm und wählen. Wir leben in TV-Serien das stereotype Leben von Anderen und lenken uns jederzeit mit einem Spiel auf dem Handy ab, so lange bis wir alles gespielt und alles gelebt haben. 

Voilà!

Wieder so eine Evolutionshochrechnung.

Pardon!

Und: Ich bin mir übrigens bewusst, wie schwierig das Wort Wir ist. 

Und zudem: Jetzt ist Pandemie mit einem neuen Epizentrum hier in Europa. Und natürlich will ich glauben, dass das auch eine Chance ist. Vielleicht sollten wir uns jetzt, wo die Beschäftigung schwindet, freiwillig an diese neue Situation anpassen, zuhause bleiben, miteinander telefonieren, zuhören und nicht einfach die Länge einer Pendlerstrecke im Zug einander durchs Handy anschnaufen und ab und zu fragen: Bist du noch da? Oder doch, vielleicht auch das… aber nicht im Zug bitte und später, nach der Pandemie, bitte auch nicht im Zug.

Ja, nach der Pandemie. Ich will glauben, dass die Frage: „Wie wollen wie leben?“ in drei Monaten anders beantwortet wird als noch vor drei Wochen. Wir müssen näher zueinander rücken mit aller derzeit geforderten Distanz. Ich will hoffen, dass Menschen, die es schwer haben in ihren Familien oder in der Gemeinschaft, in der sie leben, die Auszeit zur Klärung von Konflikten nutzen. Ich denke auch an jene, die alleine leben und das nicht wollen. Ich hoffe für alle, dass die geforderte Nähe mit Distanz, auch zu sich selbst, nicht zum Alptraum wird.

Dobbiamo essere forti! Hier in Italien gewöhnt man sich langsam an die Vorschriften. Wir können kontrolliert werden und wir müssen ein Formular mit uns tragen, mit dem wir deklarieren, wohin wir gehen und warum. Die Multiple Choice Liste, was man darf und was nicht, ist kurz. Von Multiple und auch von Choice, kann keine Rede sein. Die Anpassungen sind groß. Denunzianten und Schlaumeier sind auch schon aktiv. Aber ich träume davon, dass das „Wir“ in den nächsten Wochen eine verbindende und verbindliche, gleichzeitig eine tolerante und grosszügige Bedeutung bekommt, die sich ebenfalls in die Erbinformation der Menschen schreibt. Dass die Abkehr von Hamsterrad und Hamsterkauf eintritt. Dass Ellenbogengeschichten bedeutungslos werden. Denn unsere Ellenbogen brauchen wir jetzt für anderes. Die schon erwähnte Forschung über die hirn-verändernde Aufmerksamkeit, die an die Geräte geht, beweist, dass das durchaus möglich ist.

Ellenbogen werden im Schweizer Wortgebrauch an Stellen eingesetzt, wo es darum geht, Konkurrenten loszuwerden, indem man sie wegkickt.

Bauen wir nun zunächst keinen Unfall und regen wir uns nicht auf, denn alle Spitalbetten werden gebraucht für die, die erkrankt sind. Keine Gefährdung, kein gestauchter Fuß, kein Sturz von der Bicicletta, kein freies Niesen, keine Umarmungen. Das ist, was man vor allem hören muss im lauten Zählen der Liveticker über die Anzahl der Infizierten, Verstorbenen, Geheilten. Auch dass in Italien ein Ärzteteam aus China eingetroffen ist, das sein Wissen weitergibt. Auch dass in ebendiesem China die Fälle nun massiv zurückgegangen sind, wie in Codogno auch, wo schon seit Ende Februar die Quarantäne galt. 

Bleiben wir zuhause. Es dauert vielleicht drei, vier Tage, dann gewöhnt man sich dran. Widmen wir uns der Philosophie, der Schönheit, den wichtigen Dingen oder immerhin den nächsten und sicher nicht den letzten. Heute, morgen. Heute, morgen. Heute, morgen. Geduld. Pazienza. Und wer keine hat: Laufen an Ort geht auch, dann sind der Schrittzähler am Handy und die angedockte Krankenversicherung (pardon, in der Schweiz Gesundheitskasse!) auch zufrieden.

… Wie lange es noch dauert, bis Menschen ohne Ohren auf die Welt kommen und die Wesen, die der Paarung von Restknorpeln entspringen, sich dank guter Nahrung auch vergrößern und vielleicht ein Hirn entwickeln, weiß niemand. In «Die Geschichte vom Ohr» prophezeite ich das erneute Anwachsen. Manchmal macht die Evolution halt einen Umweg.

Eine Rezension über «Bernstein und Valencia» in KUNO Kulturnotizen zu Kunst, Musik und Poesie.

In seinem Rezensionsessay werden meine Erzählungen auf eine Art gewürdigt, wie ich es mir nicht besser hätte wünschen können. Danke, Holger Benkel! Durch sein Reflektieren lerne ich mehr über meine Intuition, als ich mir je hätte anlesen können. Und ich bin stolz darauf und bedanke mich mit einer tiefen Verbeugung beim Online Magazin Kulturnotizen KUNO und seinem Herausgeber Matthias Hagedorn sowie bei Holger Benkel für sein sorgfältiges Lesen und sein Versuch, mir auch ein Bisschen (.) auf die Schliche zu kommen.

Das Buch kann man in meinem kleinen Online Shop oder im Buchhandel bestellen.

VERSCHOBEN 15. März 2020 Lesung im Bliss in Fribourg mit Monolog einer Zimmerpflanze. neues Datum: voraussichtlich 9. Mai 2020 um 17 Uhr.

VERSCHOBEN 20. März 2020 Lesung im Literaturcafé Biel mit Monolog einer Zimmerpflanze. VERSCHOBEN – neues Datum folgt.

VERSCHOBEN 21. März 2020 Lesung im Haus zur Glocke in Steckborn mit Monolog einer Zimmerpflanze. VERSCHOBEN – neues Datum folgt.

Wegen der Maßnahmen der italienischen Behörden gegen das Corona Virus konnte ich nicht ausreisen. Die Lesungen werden verschoben. Neue Daten so bald bekannt.

15. Mai 2020 Lesung im Neuen Salon der Brotfabrik Berlin mit Monolog einer Zimmerpflanze. 19.30 Uhr Beginn. Anschließend Kneipe und Konversation.

Juni/Juli/August 2020 Seaside Soundmap Installation en France chez La Grande Lauzade, Le Luc VAR – auf halbem Weg zwischen Nizza und Marseille. Mehr später hier.

Aktuell

«Monolog einer Zimmerpflanze» Sprechtext. Zu sehen und hören an verschiedenen Orten ab Mai 2020. TERMINE werden laufend aufgeschaltet.

Publikationen

«Bernstein und Valencia» ISBN 978-3-906311-44-9 – Short Stories. Hier geht es zur besonders schönen Rezension von Holger Benkel. Das Buch kann in jeder Buchhandlung und in diesem SHOP bestellt werden. Erste Stimmen von Tanja Kummer, Manja Präkels, Rouven Obst und von Ulrike Anna Bleier.

«Strandläufer, lungomare – Foto Essay» Con la partecipazione di Andrea Angelucci – erschienen im Amsel Verlag Zürich. ISBN 978-3-906325-26-2. Das Buch kann in diesem SHOP gekauft werden.

Beiträge in diversen Büchern und Medien, zuletzt:

LOVE IS – Das Buch der Liebe. The Book of Love. U.a. mit Worten und Werken von Oscar Wilde, Lady Di, Ricarda Huch, Marina Abramovic, John Baldessari, Banksy, Thomas Meyer und von mir…. also ja….! Erschienen in Zürich. Mehr darüber.

Wo ist Martha? Ein Buch von Julian Salinas, Fotograf. Erschienen in Basel.

Schlaflos brennen die Wörter, Texte zur Reformation. Erschienen in Zürich.

Herausgeberin (zusammen mit Beat Roth) von dunque, assoziatives Themenpapier, 5 Ausgaben, u.a. von Haaren, ein Tag im Bett (im SHOP erhältlich).

Diverse Beiträge, u.a. in Anthologien und Literaturzeitschriften wie entwürfe Bern, mosaik Salzburg, Junge Akademie Berlin, Treibstoff Luzern, auf wertschrift net oder in perspektive Zürich.

Kanzlei für Basisgekipptes. Kalender mit alternativen Gedenktagen, Twitter 2017. Zusammenarbeit mit Joanna Lisiak.

Interdisziplinäre Arbeiten, Mitarbeit in freien Projekten, Auftritte

Alles in Ordnung. Lesung & Ton in Zusammenarbeit mit der Klangkünstlerin Rahel Kraft auf Tournee von September 2018 bis Mai 2019. Drei vertonte Geschichten aus «Bernstein und Valencia» waren zu sehen und hören in Baden, Luzern, Berlin, Zürich, Scuol, Steckborn und Bern.

Erika Schick Bonnet – Instant Art Formation CH/I – Performance in der TART Galerie Zürich, im Rahmen von A LINE IS A DOT THAT WENT FOR A WALK

Strandläufer, lungomare – Reading e Presentazione del libro, Palazzo Bracci Pagani, Fano PU, Januar 2019 in Zusammenarbeit mit Andrea Angelucci

Literaturtelefon.ch – mehrere Telefonlesungen direkt aus dem NAIRS-Studio-Atelier, April 2018

Tomoko Hojo – Collaboration (Voice) Audio Work Flat Time House London, April 2018

Hojo/Kraft – Innern – Collaboration (Translation, Voice) for Audio Walk – Nairs-Scuol-Nairs, März 2018

stand an der Küste – Reading Performance, Berlin Atelier Zuzanna Skiba, 2017

Komplizen 2017 Annäherung. Zusammenarbeit mit Bettina Diel und einem Flugblattdrucker. 2017. Tart Zürich.

Weltatlas – Ein verlorener Gedanke, Live Hörstück, Zusammenarbeit Silja Dietiker Video, 2015-2017, u.a. in Aarau, Bern, Berlin (Babette), Baden (Royal), Zürich (Rote Fabrik und manifesta 11. Cabaret Voltaire)

Taktung Zürich 2015, Teilnahme mit Previous/Next + Bold, einem Wortstück (animated gif und Reading)

JUMP 2014 im FL, Teilnahme mit Geschichte vom Ohr, Zusammenarbeit mit Beate Frommelt

Sterne, Hummer und Zigottern – Live Hörspiel mit Manja Präkels, Uraufführung Berlin 2012

Kunsthaus Zürich, Lesung mit zwei Transistoren im Monet-Saal am Tag der offenen Tür, 2012

Todesarten – Stories about Life & Death and das Dazwischen, Lesetour in Zusammenarbeit mit Ivan Mangia, Gitarre, 2010

Nachtwachen, Dunkle Geschichten im Winter 2009/2010, Salon Billa, Baden
Trunkenen Tagen im Salon Billa, Gepflegtes Frühlingserwachen, Literaturfest 2008 und 2009

Das Betriebsessen – Live Hörspiel, Uraufführung an Trunkenen Tagen in Baden 2008

Öffnungen, Audio-Walk im Bäderquartier, Stimme und Aufnahmeleitung

uomo in mare, Lesungen mit Sounds, in Zusammenarbeit mit Petra Ronner

Radio

Magazinsendung Literatur auf Kanal K
Auf hoher See, Zweifelhafte Poesie und schummrige Sounds, Eine Stunde Lesung und Musik jeden Monat zwischen 2004 und 2008, eigene kurze Erzählungen + Lesungen von Gästen wie Lisa Gautschi, J. Monika Walther, Anja Koemstedt, Friederike von Königswald, Leopold Biberti

Magazinsendung Literatur auf Kanal K
Container, Radio-Essay mit Sounds – Januar – Dezember 2011 monatlich

Features und Talk Sendungen auf Kanal K:
Illegal in der Schweiz – Gespräch mit Genzi
Frauen in Italien – Feature u.a. aus Milano, Libreria delle Donne
Der neue Mann – Feature, inkl. Gespräch mit Markus Teunert
Frauen in Afghanistan – Gespräch mit Judith Huber
Inspiration Exil – Gespräch mit der Filmemacherin Ayten Mutlu
Drinnensitzen – Gespräch mit verschiedenen Frauen im Strafvollzug
Annemarie Schwarzenbach, Ella Maillart – Reise nach Kafiristan, Gespräch mit Fosco Dubini, Regisseur

TV, Drehbuch

Projekteingabe Serie SRF, in Zusammenarbeit mit Uwe Lützen (Arbeitstitel Sirtental)
Herausgeberin von KOMPRESSOR, TV-Jugendmagazin 1999/2000
Pilot SRF TV Serie HAUSBESUCH, in Zusammenarbeit mit Johannes Sieber, Marc Krebs, Sibylle Berg, Beat Schlatter

Journalistische Arbeiten Print und TV

Aaku – Aargauer Kulturmagazin (vormals Juli)
Vorschauen auf Kulturevents und Interviews
u.a. über Raumfahrt in der Langmatt, mit Martin Zingg über Lyrik, mit Peter Schneider über Identität

mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur, erscheint in Salzburg
Interview mit Joanna Lisiak über das Schreiben, Sommer 2017

manuell – Diverse Portraits von Menschen über ihr Handwerk, u.a. mit Kazu Huggler über Mode und die Three Cranes Association, mit Leonardo Magatti, Gartengestalter bei Como in Norditalien

90er Jahre, frühe Nullerjahre:
massiv Lifestyle Magazin: Rezensionen, Interviews, Essays
fashionweb und bluewin: Short Cuts zu Mode und Gesellschaft
erste Arbeiten:
Berichte von Pfadfinderinnenlagern und -tagen für Bezirksanzeiger Lenzburg
Berichte von Parteiversammlungen und Veranstaltungen der Sozialdemokraten Lenzburg
Leserbriefe und Kommentare zu Abstimmungsvorlagen und Wahlausgängen und gesellschaftliche Themen wie Umweltschutz, Fichen (Staatsschutz), Rassismus, Drogenpolitik in der Gemeinde

Kundenaufträge u.a von

Moleskine Legendary Notebooks, Graf Verlagsvertretungen GmbH, Zürich
inaffect AG, Agentur für interaktive Medien, Zürich
Porto Libro Beat Roth, Buchgestaltung, Basel
Paris – Glarus, Werkstatt für Möbel und Textilien, Zürich
Doris Haller Blumen, Baden
Raymond Vogel, Landschaftsarchitektur, Zürich (Edition Lockblatt)
Fueter und Halder, Baden
Monte Verità / Monte Visione, Ascona
LeCo Lagertechnik AG, Nussbaumen
Stadt Baden Information der Bevölkerung zum Berufsbildungszentrum BBB
Verlage wie Atlantis, Benteli, Metzler, klaxon, Bajazzo
Kokon Lifestyle Haus, Mandat Lesungen und Buch-Sortiment
Beratende Tätigkeit in Zusammenarbeit mit Franziska Weber für verschiedene Kunden

Anstellungen u.a. bei

Lars Müller Publishers
Sauerländer Verlage
Moleskine Representative Switzerland Graf Verlagsvertretungen

Kooperationen

u.a. mit Manja Präkels, Beate Frommelt, Silja Dietiker, Matthias Weidmann, J. Monika Walther, Johannes Sieber, Uwe Lützen, Ivan Mangia, Joanna Lisiak, Bettina Diel, Petra Ronner, Rahel Kraft, Beat Roth, Corinne Zora Schiess, Ilona Kannewurf, Andrea Angelucci, Petra Bartels.

Förderung und Druckkostenbeiträge

Sibylle Ciarloni wurde bisher unterstützt von Freunden und Bekannten, für einzelne Projekte auch von Firmen sowie von der Stadt Baden, dem Kuratorium des Kantons Aargau und der Stiftung für Radio und Kultur Schweiz.

Wir. Wir ist ein beschreibendes Wort, ein großes Wort, ein schützendes Wort, ein ermüdendes Wort. Wenn wir Wir sagen, dann versammle ich mich und uns und andere in dieses Haus mit drei Buchstaben. Doch wer gehört dazu und wer nicht?

Ich bin in einem Land geboren worden, in welchem zu der Zeit ein reicher Mann mit seiner Politik für Furore sorgte. Das gesteigerte Interesse galt einmal mehr den Fremden. Deren zu viele gebe es, sagte er. Das war keine neue Rhetorik, der reiche Mann sprach einfach aus – wie er behauptete und nach ihm noch viele mehr behaupten – was die Leute im Land dachten. Der reiche Mann hieß James Schwarzenbach und das Land heißt Schweiz, die Region, wo ich gelebt habe, ist das deutschsprachige Mittelland.

Schwarzenbach lud zu Veranstaltungen ein oder er wurde eingeladen. Letzteres sogar mehr als vorderes. Er sprach zu den Leuten und sie applaudierten. Wir wollen keine Ausländer! Ausländer raus! Das Wir war sich allerdings uneinig. Kulturfremde und Kosmopoliten gerieten wieder aneinander. Wie schon zwischen den Kriegen in den Zwanziger Jahren. Willi Wottreng schreibt diesbezüglich in seinem Buch „Ein einzig Volk von Immigranten“: „Feststellbar ist eine Art nationaler Schizophrenie. Während die Schweizer Behörden immer härtere Maßnahmen gegen Ausländer erfanden, machte sich die Schweiz zum Fürsprecher des Völkerbundgedankens.“ Die Schizophrenie hatte sich verdoppelt, da man neben den fremdenpolizeilichen Maßnahmen und dem Völkerbundgedanken dann auch noch Hände suchte, die am Schweizer Wirtschaftswunder mitarbeiteten, man aber die Menschen, die zu den Händen gehörten, nicht unbedingt da haben wollte. Schizophrenie ist ein Fall für die Psychotherapie. Moisés Naim fragt anfangs Juni im Head über seinem Beitrag in der Washington Post: „Psychotherapy can solve personal problems – why not national crisis?“ In der Rezension über das Buch „Turning Points for Nations in Crisis“ spricht er dem Autor Jared Diamond allerdings alle Kompetenz zur Beantwortung dieser Frage ab. Unter anderem weil Diamond voraussetze, dass die Nation sich einer Krise bewusst sei und sich mit vereintem Willen, der Übereinkunft aller (.), aus einem Tief heben ließe.
Was also kann Verantwortlichen schizophrener Legislaturperioden oder Regierungen helfen? Und was jenen, die alldem jeweils zustimmen?
Ich lasse die Fragen unbeantwortet.

In der Schweiz der späten Sechziger Jahre machte sich trotz Love, Peace usw. eine sogenannte Überfremdungskrise breit. Nicht allen war eine solche bewusst und eine Übereinkunft war weiter weg, als von den Medien befürchtet. 1970 gewann „der Schwarzenbach“ sein Hetz-Referendum knapp nicht. Die Schweizer Männer waren sich nicht so einig – von einem Wir (Schweizerinnen und Schweizer) kann noch nicht gesprochen werden. Frauen durften da noch nicht an die Urne. Frauen streiken in dem Land übrigens auch heute noch für Gleichberechtigung – wenn auch nur alle paar Jahre.

Das Land ist, auch dank … hier weiterlesen

THIS WAS

Alles in Ordnung. Lesung & Ton
März bis Mai 2019
Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft
Wir lasen und „betonten“ zwei Stories und ein Manual aus «Bernstein und Valencia».

Am 16. März 2019 starteten wir im Haus zur Glocke in Steckborn bei Judit Villiger.
Bettina Schnerr von Thurgaukultur.ch hat ausführlich berichtet.

Am 23. März waren wir im NAIRS Zentrum für Gegenwartskunst bei Scuol. Ein schönes Wiedersehen mit dem guten Ort.
Am 27. März füllten wir das Fabriktheater der Roten Fabrik in Zürich zwar nicht ganz. Dafür klang der Ton ausgezeichnet und das Licht fiel schön. Danke Jonas und Matthias!
Am 3. April gingen wir in Bern durch eines der letzten Schneegestöber nach Kairo und wir waren nicht allein. Das Publikum klatschte warm.
Am 25. April 2019 haben wir im Neubad, Luzern gelesen und getönt und das Publikum hat leise in sich hinein gelacht. Wir danken Urs und Dominik und Linus!
Am Abend des 26. April 2019 lud uns das Bagno Popolare im Schweizerhof zu Baden an den Thermalwasserbassindrand. Manche ließen sich im Wasser hin und her treiben, einer gurgelte mit dem gesunden Wasser. Wir benutzten dafür Leitungswasser. Wunderbar war der Abend und die Nacht – danke Kathrin, Maria, Andriu, Daniela, Christian und all jenen porenoffenen Wesen!
Am Abend des 7. Mai 2019 waren wir auf der Bühne der Brotfabrik in Berlin. Wir lasen barfuß und verschwanden schließlich im Dunkel des Bühnenrands. Danke Rio und Alexander und dem Barteam, das uns bis zum Ladenschluss geduldig betreut hat.

Hier noch einmal der Werbefilm:

„Kraft und Ciarloni – experimental ineinandergreifend, chaotisch schön, durchdacht interdisziplinär, sentimental auch, lustig auch.“

Lesung&Ton ist eine Mischung aus Performance und szenische Lesung. Die Künstlerinnen lesen und vertonen zwei Stories und ein Manual. Sorgfältig und bei vollem Bewusstsein über das Komplexe beim Abschweifen wirken Rahel Kraft und Sibylle Ciarloni zusammen. Die Texte stammen aus dem Erzählband „Bernstein und Valencia“ von Sibylle Ciarloni.

Es geht um ein Haus wie ein Labyrinth, in welchem sich ein Mädchen verläuft, um nach der Tante zu suchen. In den Räumen und auf den Gängen wimmelt es von Gestalten, Essen wird gekocht, Menschen kommen zusammen, ein Aquarium bricht, Welse schwimmen in den Speisesaal. – Dann geht es um das Verkommen eines Hotels, wo Schmauchpilze wüten und eigentlich schon lange keine Gäste mehr leben dürften. – Schließlich weisen die beiden Künstlerinnen das Publikum an «wie man sich selbst als Fisch zeichnet».

Mittels Wort und Gesang und analog wie digital erzeugtem Ton sowie einer gefilmten Sequenz erzählen die beiden Künstlerinnen in zwei Texten Fiktion und mit einer Anweisung fordern sie ein Gedankenexperiment. Ciarloni (Lesestimme und Dreh-Instrumente) und Kraft (Stimme und Tondichtung) kreieren Dissonanzen und synchrone Momente, um dem Zuhörer und der Zuhörerin einen dritten Raum zu schenken. Sein/ihr eigener Hör-Raum.

Kennengelernt haben sich die beiden Künstlerinnen beim Einsteigen in einen Hotelkomplex im Rauschen des Inns am Grenzgang zum Gemeinschaftskühlschrank im Zentrum für Gegenwartskunst NAIRS im Engadin. Eine Zigarette, zwei Zigaretten weiter beschlossen die beiden im harten Bündner Winter bei 1 Meter 20 Schnee die Zusammenarbeit.

«Bernstein und Valencia»
978-3-906311-44-9 /kaufen/