Racconto

È mattino. Il mare si estende con calma. Il ventre dell’umanità non manda segni. Riflette i colori del cielo. Blu grigio argento bianco scuro. L’acqua, spinta da una forza-non-forza, dondola leggermente, si precipita – lambisce la sabbia asciutta, un sasso – e torna lontano. Sugli scogli dei frangenti un pescatore. Una ragazza nuota a riva. Alle barche è permesso uscire al largo senza ostacolo, per loro è stato lasciato un passaggio.
Le spiagge libere si a affollano pian piano. Asciugamano si accosta ad asciugamano. Il palo dell’ombrellone portato da casa viene piantato nella sabbia con tutta la forza. La mano di un uomo che spalma la crema solare sulla schiena della sua compagna è rapida e sgarbata. Lei poi si siede sulla sdraio. Lui parte. Gira a destra. Il sole sulla pancia e in faccia. (mehr …)

Erzählung

(vertont von Jean Til und Vera Frontfrau siehe Link ganz unten)

Es ist Morgen. Das Meer liegt ruhig da. Der Schoß der Menschheit sendet keine Nachrichten. Er nimmt die Farben vom Himmel. Reflektiert sie. Mal blauer, mal grauer. Silbern. Weiß. Dunkel. Gleichgültig schiebt sich das Wasser wenige Zentimeter vor. Und zurück. Mehr geschieht nicht. Ein Fischer sitzt am Rand der parallel zum Ufer gesetzten Wellenbrecher, aufgeschüttete Travertino Quader, die der Hoffnung dienen, das Meer würde weniger rasch den Sand abgraben. Eine Schwimmerin crawlt sich an den Strand. Boote gelangen durch die Lücken zwischen den Wellenbrechern ungehindert auf die See. (mehr …)

Essay

Über das Innere eines Buches, eine Fluchtidee und die Spurensuche in einem Bild, das sich selbst enthält, sich selbst enthält, sich selbst enthält und doch immer wieder ein bisschen anders zeigt.

Was alles in ein Buch kommt ist planbar. Nicht aber, was dann aus dem Buch herauskommt. Wie wird es gelesen, wie wird es verstanden? Das kann man sich vorstellen, aber nicht wissen. Meine Lektorin sagte also, während wir an einem runden Tisch besprachen, ob man denn das alles verstehen könne, was da in das Buch kommen werde, vielleicht musst du zu der Transformationsgeschichte etwas sagen, vielleicht in einem Vorwort. (mehr …)

«Sie weiß, wie man Unheimliches schön erzählt.» Fay Arnold, Kola Azur

In den 22 Erzählungen von Nahsein bis Wegrennen dringt Sibylle Ciarloni in Ausschnitte von Leben vor. Sie beleuchtet Seiten des Daseins in Situationen, wo Dinge und Menschen und Tiere unerwartet aufeinander einwirken. Sie schreibt über das Groteske im Jetzt und die Fiktion einer möglichen Zukunft, über offensichtliche Verbindungen, versteckte Lieben, das Existierende und das Unsichtbare, Nähe und Distanz, den Tod und auch über Bülderlinge und Schmauchpilze. Ein Buch voller Stories. Mit Vor- und Nachwort und einer Transformationsübung.

Aus dem Inhalt:
Ich war Durty
Es ist immer jemand da
Die Lesung
Alles in Ordnung
Anton Ross und Biene Marylin
Männer spielen Gitarre
Die Assistentin
Evelyn oder Tod eines Törtchens
Bernstein und Valencia
Wie man sich selbst als Fisch zeichnet
Das Mädchen
Brennende Erde

 

«Hier liest man zum ersten Mal und fortlaufend immer wieder, was Sibylle Ciarloni besonders gut kann: Ohne grosses Worttheater die Vorhänge zu einem bildreichen Lesestück aufziehen. Sie beobachtet, zeigt Leben, Rollen, jede scheint authentisch. Sibylle Ciarloni kennt ihr Personal und sie hat ihren eigenen Ton und die Gabe, sorgfältig zu erzählen – nicht um Grenzen auszuloten, sondern um sie zu überschreiten.»

Tanja Kummer, Schriftstellerin, über «Die Lesung»

«Es ist Coolness, mit der Ciarloni dem Untergehen ihrer Figuren begegnet. Ein fast genüssliches Austarieren des Abgrunds, das in den Bann zieht, dessen Wirkung auch über das Ende der Geschichte hinausreicht.»

Manja Präkels, Schriftstellerin und Musikerin, über «Anton Ross und Biene Marylin»

«Sibylle Ciarloni schreibt in einer Zeit, in der alle nach Sicherheit und Ordnung schreien, über unser tiefes Bedürfnis nach Chaos. Das ist nicht nur mutig, schrill und sehr poetisch, sondern befördert auch einige längst vergessene Wahrheiten zurück ans Licht. Das liest sich aufregend und wunderbar!»

Ulrike Anna Bleier, Schriftstellerin, über «Alles in Ordnung»

«Wie ein Gemälde entfaltet sich dieses Bild vor den Augen des Lesers. Sinn und Unsinn des Reifens und des Lebens spiegelt sich darin. Ein musikalisches Stück, das wie ein Gitarrenmenuett daherkommt.»

Rouven Obst, freier Lektor, über «Männer spielen Gitarre»

«When seriously explored, the short story seems to me the most difficult and disciplining form of prose writing extant. Whatever control and technique I may have I owe entirely to my training in this medium.» – Truman Capote.

Hier der Rezensionsessay von Holger Benkel.

 

Das Buch «Bernstein und Valencia» erschien am 20. September 2018. Es kann im Buchhandel bestellt und hier im Shop gekauft werden. Die Buchvernissage fand im Trudelkeller Baden/CH statt. Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft haben zwei Geschichten und eine Anweisung gelesen/vertont. Danke an Katja Sedgwick vom Trudelkeller und die fröhliche Bewirtschaftung von rund 50 Menschen an dem Abend. Danke dem Bundesamt für Kultur und der Stadt Baden für die Druckkostenbeiträge an den Knapp Verlag in Olten.

Im Bild Ciarloni und Kraft mit einem dazwischenwuchernden Schmauchpilz.

Bild: Bettina Diel. Bearbeitung: Rahel Kraft.

 

 

 

 

 

Essay

Unzulänglichkeiten sind all die Zustände und Tätigkeiten, die schwierig werden, wenn man sich zurückhält, weil man ahnt, weiß oder Angst hat davor, bestimmten Anforderungen nicht zu genügen. Über eigene Unzulänglichkeiten zu schreiben, ist keine einfache Aufgabe, sie ist sogar eine nahezu blöde Tätigkeit, geht es doch darum, einen Mangel, eine fehlende Schraube, eine falsch angelegte Fähigkeit im Charakter – oder sagen wir in der Psyche – zu beschreiben. Und dies obschon es bekanntlich kein Falsch und kein Richtig mehr gibt. Es ist was es ist. Wertfreie Beschreibungen sind in. Introspektion ist out, da weder sexy noch gefragt. Deshalb vielleicht tue ich es trotzdem und entdecke dabei einmal mehr, dass ich mich in Zusammenhängen sehen muss. Es ist meine Prägung, rufe ich, nein, ruft meine Schwester, wir sind nur im Jetzt*, das was war zählt nicht! Doch, rufe ich, auch das was war zählt! So streiten wir ein bisschen, mehr nicht.

Bleiben wir bei den Unzulänglichkeiten. Wenn ich also ehrlich sein soll und ich meine, das soll ich, so muss ich zugeben, dass auch ich gerne leicht im Jetzt herumfliegen würde und sorglos Spass, unendlichen Spass sogar, haben möchte. So plante ich also (mehr …)

Il Moro ci sta accanto quando c’è la bora, il garbin‘ e quel vento che arriva dal deserto. Di solito, in estate, ci arriva la brezza del mare, più o meno da mezzogiorno. NOI siamo Stefano Ciarloni e Sibylle Catherine Gabathuler Ciarloni.

La casa e la storia del moro
Neben unserem Haus steht unser Maulbeerbaum / il moro (bot. dt. der Maulbeerbaum, engl. Mulberry Tree, frz. le mûrier). Er ist ein Morus Alba, ein Maulbeerbaum mit weißen Früchten. Rund 200 Jahre alt soll er sein. Vielleicht begann er um 1800 zu sprießen, schließlich zu wachsen und so dick und prächtig zu werden, dass man ihn aus der Landschaft nie mehr würde wegdenken können. Er ist ein Kopfbaum, wurde gestutzt. Die Äste hat man sich zu Nutze gemacht. Der Stamm wurde immer umfangreicher. Der Baum wuchs schief im Feld am Hang, stand dem Bauer im Weg. Jetzt nicht mehr. Denn eines Tages kamen Camion und Trax, um den alten Baum mitsamt Wurzeln wegzubringen. Den Umzug zu uns hat er gut überstanden. Bis zu zehn Meter hoch kann er nun wachsen. Schon jetzt schaut er uns auf die Dachterrasse und wir ihm in die Krone. In seinem Stamm kann man sich verstecken und seine weißen Früchte schmecken süß. Noch in den Vierziger Jahren hielten sich die Leute in der Gegend Seidenspinner-Raupen. Deren Kokons enthalten die Fasern für Seide. Die Raupen ernähren sich von den Blättern der Maulbeerbäume und die Kinder wurden geschickt, um Blätter zu sammeln für die Tierchen. Die Seidenspinner gehören übrigens zu den Echten Spinnern.

mare d’inverno, in cerca di vongole e cannelli

Morgens, mittags und abends. Über mehrere Jahre. Morgens, mittags, abends. Vom Strandtuch aus fotografierte ich ein Vorkommnis. Strandläufer. Dem Ufer entlang, strandauf strandab, am Übergang zwischen Atmen und Eintauchen, gehen Männer eher alleine. Sie denken nach, lachen vielleicht oder fragen sich leise – und womöglich auch das Meer – nach einem Weg nach Anderswo, einer Abkürzung zurück zum Strandtuch, einem Umweg. Manche sprechen, still die Lippen bewegend, einen Disput nach, denken sich, was sie mit mehr Mut, mit mehr Wachheit hätten einwerfen können oder sollen. Ich weiß es nicht, ich habe sie nicht gefragt. Im Buch bekommen sie Raum und Ruhe, wovon sie vielleicht gar nie geträumt haben. Seite um Seite gehen sie an des Lesenden Horizont dem Ufer entlang, stundenlang. – Mehr geschieht nicht.

Strandläufer, lungomare ist meinem Vater gewidmet, der einer von ihnen hätte sein können. Das Buch entstand an der Riviera Adriatica, zwischen Rimini und Ancona.

Bilder und Aufsatz von Sibylle Ciarloni (Deutsch-Italienisch). Gedichte (Italienisch-Deutsch) von Andrea Angelucci, Schriftsteller in Fano.

im Buch blättern hier

Bildlegenden: Impressionen aus Buch und vom Bedrucken der Frottées, die ausgeschnittenen Strandläufer – während der Arbeit am Buch, das Buch in der Auslage bei Never Stop Reading an der Spiegelgasse in Zürich, Bar Babette in Berlin, ein Stapel Bücher.

 

 

 

 

 

Credits: Andrea Angelucci, Fano. Amsel Verlag, Zürich. Milenko Lazic, Zürich. Acapulpo Edition. Corinne Zora Schiess, Aarau. Newpress, Smederevo bei Belgrad. Sebastian Graf, Zürich. Francesca Fantuzzi, Zurigo. Volumes 2017 im Helmhaus Zürich, wo ich die frischgedruckten Bücher zeigen konnte. Julian Käser, Siebdruck 27 in Altstetten, der an der Buchvernissage im Dezember 2017 die Schatten der Strandläufer auf Frotteetücher siebdruckte – alle wurden verkauft. Danke auch Stefano Ciarloni, San Costanzo. Beate Frommelt, Zürich. Christine Glave, Zürich. David Siepert und Stefan Baltensperger, Zürich. Allen unabhängigen Buchhandlungen und Concept Stores, die das Buch verkaufen. Sowie allen Strandläufern und schließlich dem Kosmetiksalon Bar Babette in Berlin, wo ich den Band im Juni 2018 an Info on Books präsentieren durfte.

Im Januar 2020 habe ich die deutschsprachige und die italienische Version der Erzählung auf meinem Blog publiziert. Jean Til und Vera Frontfrau haben den Text Ende März 2020 im Wien der Corona-Zeit vertont.

Update vom Mai 2020, Sibylle Ciarloni

Essay

Wie es dazu kam, dass ich mich in den Ablasshändler Samson hineinversetzte und warum ich mich für die Reformation der Kirche im Besonderen und für die Reformation von Glaubenssätzen im Allgemeinen interessiere. Ich schaue von heute aus auf die Zeiten – meine Zeit jetzt und die Zeit um 1519.

Das knisternde Züngeln der Feuerzungen, die vom Himmel auf Köpfe hinab ragen und diesen womöglich einen guten Teil des Haupthaars versengen, so dass ihnen wie Franziskanermönchen vielleicht nur ein Kranz bleibt, war meine erste tief-religiöse Erfahrung. Jedenfalls legte ich sie im Nachhinein in dieses Fach, denn von diesem Züngeln erfuhr ich – noch Kind – an einem sonst unbedeutenden Tag im Religionsunterricht.
Kein Kreuz im Haus – außer später dasjenige aus Ton von der ersten Kommunion – und auch nicht das Beten am Tisch, gehörten bis dahin zu meinem Leben. Es war die Erzählung vom heiligen Geist, der an Pfingsten den Menschen brennend über den Köpfen züngelte. Was es damit auf sich hatte, konnten weder meine Eltern noch ich mir erklären, d.h. weder ich, noch meine Eltern, zu denen ich in der Nacht nach diesem Tag ins Bett schlüpfen wollte, doch (mehr …)