Performative Walk a Roma
Artist and composer Rahel Kraft and writer and curator Sibylle Ciarloni observe the fragile balance in the ecotone, the overlapping space of different vegetation zones. They explore this living, moving non-state as a possible space of meaning for the future, embracing simultaneity and hybridity. Ecotone Conversation Piece is their nomadic collaborative art and research project initiated in 2023. It invites thinkers, artists, activists, researchers, and the community to contribute, seeking perspectives and thoughts that use the ecotone metaphor as a starting point for exchanging experiences.
In Rome, the artists explore the Tiber’s transitional habitat. After two short residencies at IUNO @iunoiunoiuno between November 2024 and May 2025, they have now created a 120-minute performative walk.
Holding shade - ecotone study #3
performative walk / passeggiata performativa
booklet in Italian and English
10.10.2025 from 11 am to 1 pm
11.10.2025 from 11 am to 1 pm
Start: IUNO in Via Ennio Quirino Visconti, 55, Roma
End: Arriving sulla riva del Tevere, nei pressi di Ponte Margherita
Per prenotare si prega di scrivere a iuno@iunoiuno.it
Rahel Kraft is an artist, composer and maker at the crossroad of performance and participatory events. She is interested in listening as a shared bodily experience. @rahelkraft www.rahelkraft.com
Sibylle Ciarloni's artistic practice is focused on imagination and evolution. Through her writings, she invites us to think; through her curatorial projects, she invites us to engage in dialogue. @rumore_24
The walk has been created in collaboration with Angelica Bollettinari (curator and artist) @_resina and Maud Ester Gyssels (artist) @tafel.snake18k and Marta Camilli.
Credits:
Hosting and Connections: IUNO, Roma - Cecilia Canziani, Ilaria Gianni, Giulia Gaibisso
Production: Annex Cultura ETS and Cie Nobuo
Documentation Pictures: Stella Domenicucci
This part of the research in Rome would not have been possible without the support of Pro Helvetia (Research) and of Aargauer Kuratorium (Creation) - thank you!
FEEL YOURSELF INVITED / SENTITEVI INVITAT*
Italiano:
Rahel Kraft e Sibylle Ciarloni osservano il fragile equilibrio dell'ecotono, lo spazio di sovrapposizione di diverse zone di vegetazione. Esplorano questo non-stato vivente e in movimento come possibile spazio di significato per il futuro, abbracciando simultaneità e ibridazione. Ecotone Conversation Piece è il loro progetto di arte e ricerca collaborativa nomade avviato nel 2023 dall'artista e compositrice Rahel Kraft e dalla scrittrice e curatrice Sibylle Ciarloni. Invitano pensatorə, artistə, attivistə, ricercatorə e la comunità a contribuire, cercando prospettive e pensieri utilizzando la metafora dell'ecotono come punto di partenza per lo scambio di esperienze. A Roma le artiste esplorano l'habitat di transizione del Tevere. Con Holding Shade - ecotone study #3 hanno creato una passeggiata performativa di 120 minuti.
Picture: Barrier Tape Arancione, November 2024, Sibylle Ciarloni
Aufruf - Call to Action
Ich suche noch neunzehn von fünfundfünfzig Mäzeninnen und Mäzene, mit denen ich mich drei Jahre lang für ein Projekt verbinden kann. Das Projekt heisst ResidenzaLAB und ist zugleich Arbeitsgruppe, Forschungsstation, Raum für Dialog und Publikationslabor, also eine temporäre Struktur, die ich in San Costanzo, in den italienischen Marken ansiedle. ResidenzaLAB wird interkulturell organisiert und beschäftigt sich mit Dialogpraktiken.
Zur Inspiration stellen wir die Frage: Wie können Menschen von Pflanzengesellschaften lernen? Dahinter steht die Frage: Wie verbinden wir Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen in einem konstruktiven Dialog?
Zwischen 2025 und 2027 entwickeln wir Raum für Dialog via die Inspirationsfrage. Wir arbeiten zudem an einer mehrsprachigen Publikation als Print und im Web mit ungewöhnlichen Dialogpraktiken. Die Menschen vor Ort haben die Künstlerinnen und Künstler während ihres ersten Aufenthalts beherbergt und ihnen Fahrräder zur Verfügung gestellt. Die Arbeitsgruppe hat die ersten poetischen Spuren hinterlassen. Wir werden noch ausführlicher dazu berichten.Die erste Edition liegt also hinter uns. Zusammen mit Menschen aus der Region von San Costanzo, mit Künstlerinnen und Künstlern aus Italien, der Schweiz und Europa haben wir angefangen, einander kennenzulernen und dank verschiedener Events den Dialog zu suchen. Ich habe diese vielschichtige Arbeitsgruppe organisiert und wir haben unser Handeln als teilnehmende Beobachterinnen und Beobachter dokumentiert. Die nächsten Treffen finden im September 2026 und 2027 sowie einige Male online übers Jahr statt.
Kannst du dir vorstellen, die Initiative mit einem jährlichen Betrag zu unterstützen? Oder kannst du dir vorstellen, uns mit deinem Beitrag eine einmalige Finanzierung zu gewähren?
Die Finanzierung des Projekts soll langfristig auf vier Säulen stehen: Crowdfunding, Kulturstiftungen, staatliche Kulturförderung und Firmenstiftungen.
Ich würde mich sehr freuen, dich als Teil dieses Vorhabens zu wissen! Ohne die Unterstützung von vielen Privatpersonen hätten wir in diesem Jahr nicht mit der Arbeit beginnen können!
Als Dankeschön haben wir folgende Aufmerksamkeiten vorgesehen:
Ab 80 Euro bekommst du jedes Jahr eine poetische Spur aus dem ResidenzaLAB (work on paper oder objet trouvé, signiert)
Ab 200 Euro bekommst du jedes Jahr ein Glas eingekochte Tomaten aus dem Annex Cultura Sommer Pomodori Workshop in San Costanzo und die Publikation (Anfang 2028).
Ab 600 Euro wirst du jeweils im September von der Arbeitsgruppe eingeladen, lernst bei einem gemeinsamen Abendessen Künstlerinnen, Künstler und Team kennen… und wirst von ganz nah erfahren, wie die Arbeit vorangeht.
Alle Mäzeninnen und Mäzene bekommen den Link zur Open Source im Web (ab 2026).
Falls du in einer anderen Form mit uns zusammenarbeiten willst, dann schreibe mir bitte.
Warum das alles? Wir müssen Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen miteinander verbinden und sie zum Austausch einladen. Partizipative Kunst und dialogische Kunstprojekte (auch bekannt als sozial engagierte Kunst, arte relazionale) basieren auf Zuhören und Zusammenarbeit. Im Kollektiv schaffen wir Raum und Werke als Erfahrungen. Wir dokumentieren sie in Bild und Wort, so dass sie in drei Sprachen übersetzt als best practices via Web und via Publikation für viele zur Nachahmung bereit sind oder zumindest inspirierend wirken können. Ich meine, der Dialog steht am Anfang des Miteinander-in-der-Welt-seins und Dialog ist das Gegenteil von Krieg. Die "Gesellschaft der Pflanzen" ist ein Begriff aus der Biologie. Er beschreibt eine langfristig beobachtete Fläche unterschiedlicher, nicht-kultivierter Pflanzen und wie sie unter den gegebenen Umständen zusammenleben oder auch einfach nebeneinander leben. Als Menschen haben wir nicht sehr viele friedliche Entwicklungen vorzuweisen, also können wir vielleicht von anderen Gesellschaften lernen. Ich will herausfinden, wie wir das tun können. Deshalb habe ich diese Arbeitsgruppe zusammengestellt.
Du kannst ResidenzaLAB via TWINT 079 220 10 12 falls du in der Schweiz lebst und twinten kannst oder mit einem Beitrag auf das Vereinskonto IBAN IT 08L06 23068 55000 00152 81614 unterstützen (Annex Cultura ETS c/o Bank Crédit Agricole in San Costanzo).
Die Publikation mit den ungewöhnlichen Dialogpraktiken soll 2028 erscheinen. Falls ich mehr Beiträge bekomme, als für die Arbeitsgruppe budgetiert sind, wird dieses für die Publikation verwendet.
Bei Fragen fragen: 0039 366 111 4056 oder per Mail an box@sibylleciarloni.com. Ich würde mich sehr freuen und bedanke mich von Herzen, auch im Namen unseres Teams, für alle kleinen und grossen Beträge.
Sibylle Ciarloni
updated anfangs Oktober 2025
Und hier noch ein paar Hintergrundinformationen:
ResidenzaLAB wird herausgegeben von Annex Cultura, ein Non Profit Kulturverein in San Costanzo, den wir 2023 für das Projekt gegründet haben und der über die Ländergrenzen hinweg tätig ist. Derzeit sind wir ein kleines Team, bestehend aus freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit welchem ich Kommunikation und Themen für ResidenzaLAB erarbeite.
San Costanzo mit den Dorfteilen Cerasa, Santa Croce, Stacciola, Solfanuccio liegt in den italienischen Marken, am Rande des Weltgeschehens und gleichzeitig mittendrin wie jeder Ort.
Damit du dir von den Kosten ein Bild machen kannst, füge ich hier einige budgetierte Beträge ein, die ich für die Künstlerinnen und Künstler vorgesehen habe. 700 Euro Honorar jedes Jahr für die Zusammenarbeit und 300 Euro Reisepauschale an eine umweltverträgliche Anreise. Alle Teilnehmenden kommen jeweils mit dem Zug oder leben im Ort.
Du bekommst eine Spendenbescheinigung per Mail.
Die Gemeinde San Costanzo hat ResidenzaLAB in seine Liste der förderungswürdigen Kulturprojekte aufgenommen. ResidenzaLAB steht auch unter der Schirmherrschaft von Pesaro 2024 Kulturhauptstadt Italiens.
English + Italiano will follow.
Mehr Informationen, più dettagli, more Informations you find on IG @residenzalab_annexc & www.residenzalab.net
next ResidenzaLAB
How can humans learn from plant societies? We must connect different life realities and create constructive dialogue between humans and non-humans, as dialogue is the opposite of war. Plants are intelligent beings without human mindsets. I am sure we can learn from them.
Come possono gli umani imparare dalle società delle piante? Dobbiamo connettere realtà diverse e creare un dialogo costruttivo, perché il dialogo è il contrario di guerra. Le piante sono esseri intelligenti senza mindset umani. Sono sicura che possiamo imparare da loro.
Wie lernen Menschen von Pflanzengesellschaften? Um einen konstruktiven Dialog zu finden und kooperatives Denken zu entwickeln, müssen sich Menschen verbinden. Dialog ist das Gegenteil von Krieg. Pflanzen sind intelligente Lebewesen ohne menschliche mindsets. Ich bin sicher, dass wir von ihnen lernen können.
Unsere Arbeitsgruppe kreiert Raum für Dialog und beobachtet dazu die Gesellschaft der Pflanzen in San Costanzo (PU) Italien. Wir laden Menschen aus dem Ort und Künstler*innen verschiedener Disziplinen ein, um mit ihnen über Dialogpraktiken nachzudenken, sie auszuprobieren und sie schließlich in einer Dokumentation im Web und auf Papier zugänglich zu machen.
Our working group creates space for dialogue by observing the plant societies in San Costanzo (PU) Italy. We invite local people and artists from various disciplines to explore dialogue practices with us, try them out, and ultimately make them accessible through documentation on the web and in print.
Il nostro gruppo di lavoro crea spazio per aprire al dialogo mentre sta osservando la società delle piante. Invitando persone del territorio insieme ad artiste e artisti con varie competenze creiamo delle pratiche di dialogo per sperimentarle e infine renderle accessibili in una documentazione su web e su carta.
ResidenzaLAB = working group, research station, publication laboratory
Organization: Annex Cultura ETS
Web: Residenzalab.net
Instagram: @residenzalab_annexc
Artists: Anna Dian, Nik Fischer, Viktoria Morgenstern, Margherita Animelli, Sibylle Ciarloni
ZEITPLAN TIMELINE
Financing Period 2025/2026: We apply for funding through various calls from foundations and the municipality.
Crowdfunding Period 2026 from October 2025 to August 2026. MORE INFORMATIONS HERE
Open Call for Artists: closed
Open Call for interested collaborators from the San Costanzo Region: always open
We are connecting, collaborating, listening, thinking, talking, and documenting. Following our first meeting in September 2025, we will meet again in September 2026 and September 2027.
2028: publishing online and print product with the best and unusual dialogue practices we learned from plan societies!
Picture fron ResidenzaLAB Edition 2025:
Carrier Bag Theory of Fiction Workshop with Angela Grigolato and Valeria Moro, with Anna Dian, Nik Fischer, Viktoria Morgenstern and Margherita Animelli
by Sibylle Ciarloni
Zimmerpflanze in Innsbruck
Am 11. März 2025 las ich im Literaturhaus in Innsbruck den Monolog einer Zimmerpflanze, die Erzählung der beiden sich transformierenden Menschen im Meer (Bernstein und Valencia - aus dem gleichnamigen Buch), das Manual Wie man sich selbst als Fisch zeichnet und den kurzen Horror Das Haustier. Den Abend zuvor war ich vom Lesekreis eingeladen, mit den Teilnehmenden in den Austausch zu gehen. Vielleicht haben wir gemeinsam das eine oder andere Rätsel über die Hinter- und Vordergründe von drei kurzen Erzählungen aus dem Band Bernstein und Valencia gelöst. Ich sehe veröffentlichte Texte wie Hilde Domin das Gedicht, sinngemäß: Das Geschrieben gehört nicht den Schreibenden, sondern den Lesenden.
Beide Abende waren sehr bereichernd. Lieben Dank für Moderation und Einladung an Gregor Ohlerich von den Freien Lektoren und herzlichen Dank an die Gastgeberin Gabriele Wild vom einzigen Literaturhaus im zehnten Stock, das ich kenne.
Hier geht es zum Bericht im Blog der freien Lektoren.
Freirad, Freies Radio Innsbruck hat die Performance aufgezeichnet. Informationen folgen.
Bilder: Sibylle Ciarloni, Zimmerpflanze (Skizze) und Verena Gollner, Sibylle Ciarloni mit Gästen und Dongen (Bilder im Beitrag): Fisch Geschenk von Alexandra Gaul, Vogel Geschenk von Joanna Lisiak, Hummer Geschenk von Zora Schiess, Zimmerpflanzenbuch mit Widmung (für Ernst für Gertrud) aus dem Brockenhaus.






Das dialogische Kunstwerk
Das ist ein Bericht, nein, ein Plädoyer, nein, ein schriftliches Nachdenken darüber, was Kunst in meinem Dasein bedeutet und sein kann.
Kunst ist ein weites Feld, weiter als das von Theodor Fontane in Effi Briest, und auch weiter als das von Agnes Denes in Manhattan. Mit meiner Praxis habe ich mich in der Kunst zu orientieren versucht, auch zu spielen, zu kreieren, zu behaupten ganz oft und zu fragen, letztlich: Ich habe den Dialog gesucht und suche ihn nach wie vor. Nicht einen perfekten, nicht einen falschen. Ich suche das kooperative Nachdenken und das Lernen aus anderen Perspektiven, von anderen Ideen. Der Dialog ist immer unfertig, geht deshalb immer weiter, wartet vielleicht, verändert sich und lebt also – auch in der Erinnerung. Er kann sich zu einem ewigen Werk entwickeln, aber auch zu einem demokratischen Werk, für dessen Evolution wir Menschen uns zuständiger fühlen könnten, da sie immer noch eine der besten Formen für das relativ freie Zusammenleben von Menschen ist. Das chaotische Treiben von Gedanken, die ausgesprochen und im Idealfall gemeinsam in einen Zusammenhang gebracht werden, ist auszuhalten. Denn das Problem ist nicht dieses Gebaren, sondern dass Menschen Ordnung wollen. Also fangen sie an, Ordnung zu machen und argumentieren selbige mit Harmonie und Natur. Und das ist gefährlich. Denn um es mit Donna Haraway zu sagen: Wir müssen lernen, to stay with the trouble.
Ich habe viel über soziale Kunst nachgedacht. Über Gemeinschaftsbildung und Sorgfalt/Fürsorge wird da gesprochen, aber die Reflexionen daraus wirken sich kaum aus oder sie sind mir nicht bekannt. Das vermisse ich. Die (Kunst)welt wird in Wellen von dieser Art von Kunst erfasst.
Heute steht Abgrenzung in den Diskursen und den politischen Lösungsvorschlägen im Vordergrund. Es ist einfach, diejenigen auszuschließen oder zu streichen, mit denen man nicht die gleichen Ansichten teilt.
Als Autorin beschriebenes Papier zu produzieren reicht mir nicht. Mit einer Idee im Kopf, die in den beiden Jahren Weiterbildung in curatorial studies in Modena (2022/2023) gewachsen ist, begann ich also genauer zu recherchieren, wie ich mein Schaffen nun weiterentwickeln könnte, um sinnvoll und ökologisch sorgfältig zu agieren. Natürlicherweise trieb mich meine Praxis als Autorin immer wieder in die Arme von Büchern. Ich wählte also verschiedene Werke, um mich einzuarbeiten und gleichzeitig meine Idee zu entwickeln. Das Aargauer Kuratorium unterstützte meine Recherche mit einem einmaligen Beitrag von 4‘000 Franken. Dafür war und bin ich sehr dankbar!
Die Idee
Ich plane eine transdisziplinäre Arbeitsgruppe. Sie arbeitet an der Kernfrage, wie wir Menschen von der Gesellschaft der Pflanzen lernen können. Dass wir von ihnen lernen können, ist nachgewiesen. Viele Begriffe, die wir Menschen brauchen, verkörpern sie. Die Langsamkeit. Die Entwicklung. Die Nachsicht. Das sind nur ein paar Beispiele. Meine Frage ist: Können wir die Fähigkeiten der Pflanzen verstehen und umwandeln, um an unserer Zukunft teilzunehmen? Wie leben die Pflanzen miteinander oder auch nur nebeneinander? Träumen sie? Woran erinnern sie sich? Wie heilen sie sich selbst?
Meine Arbeit zielt darauf ab, in San Costanzo (Italien) Situationen zu schaffen, in denen Menschen durch Zuhören, Lernen und Dialog kooperativ denken und handeln. Menschen mit verschiedenen Lebenssituationen und Voraussetzungen, zusammen mit drei Kunstschaffenden, die in verschiedenen Bereichen der Kunst tätig sind, werden im September 2025 zum ersten von drei Treffen anreisen.
Mit den Reflexionen auf die Kernfrage sollen praktikable Beispiele (good practices in Buchform und als Web Content) für die menschliche Gesellschaft gefunden und erfunden werden. Alle Teilnehmenden werden zu aktiven Mitarbeitenden des Projekts: Künstler:innen, Gastgebende, Einwohner:innen, Vereine, ich als Kuratorin und die Expert:innen aus Agronomie, Landwirtschaft, Administration beispielsweise.
Die Bücher
Autorinnen und Autoren, die mir auf meine Fragen Antworten gaben und deren Bücher ich dank des Recherchebeitrages des Aargauer Kuratoriums in Ruhe lesen und studieren konnte, sind Claire Bishop (Artificial Hells, Participation), Pablo Helguera (Arte socialmente impegnata), Stefanie Heraeus (Wörter, Sprache, Gespräche ausstellen), Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Pidginization as Curatorial Method – Messing with Languages and Praxes of Curating) und Fiona Geuß (Das dialogische Kunstwerk). Fiona Geuß untersucht Gesprächsformate in kollektiven Kunstpraktiken. Ihr Buch hat mir einen weiten Blick in die Geschichte dieser Art von Konzeptkunst geschenkt und mir vergegenwärtigt, wie ich selbst mich in diese Richtung als Kuratorin entwickeln kann. Dank Pablo Helguera beachte ich die Sensibilitäten, die man im Prozess immer wieder verhandeln muss, wenn Menschen in ein künstlerisches Projekt integriert oder einfach dazu eingeladen werden. Auch dass sie in einer Dokumentation unbedingt zu Wort kommen müssen, und zwar mit eigenen Formulierungen, da sie ja die Angesprochenen waren bzw. sind. Die große Kritik und die Aufsatzsammlung von Claire Bishop haben mir bewusst gemacht, wie subtil die Grenzen der Inklusion wirken und auch wie andere Autorinnen und Autoren über diese Art von Kunst nachdenken. Dank Stefanie Heraeus‘ Buch habe ich Anhaltspunkte und Ideen für das Sichtbarmachen von Dialogen gewonnen, was auch eines meiner Anliegen meiner Idee (siehe oben) ist. Zusammen mit Bonaventure Ndikung habe ich mein Ohr geschärft für die ungeschriebene Sprache und deren freie Mischungen aus kolonialisierter und „ursprünglicher“ Sprache, die kooperatives Denken zwischen Menschen mit verschiedenen Erstsprachen entlasten und erleichtern können.
Kooperativ denken
Im Rahmen meiner Recherche besuchte ich eine zweitägige Tagung in Macerata „How to restore public space“. Es ging um die Wiederverwendung des öffentlichen Raums nach einem Krieg. Durch das Programm führte Roberta Biagiarelli, Autorin und Macherin eines einzigartigen Dokumentarstücks über Srebrenica, koproduziert von der Rai, mit den Werkzeugen Erzählung, Interview, Archivfilm und neues Filmmaterial. Eingeladen waren u.a. Claudia Zini von KUMA International in Sarajevo, die seit 2018 an der Verbindungslinie arbeitet, wie zeitgenössische Kunst sich mit den Erinnerungen an den Krieg beschäftigen kann. Eingeladen war auch die Journalistin Azra Nuhefendic, die sagte: Kriege geschehen nicht. Kriege werden vorbereitet. Ich frage also: Kann der Dialog als Kunstwerk Kriege verhindern? Im Gespräch mit Teilnehmenden war für mich vor allem spürbar, dass die einzige Alternative das mehr oder minder starke Ringen um Möglichkeiten zum Dialog ist. Sobald sie nicht mehr geschaffen werden und durch gezieltes Storytelling (Trump usw.), Resignation und Repression ersetzt werden, bröckelt ein friedliches Nebeneinander (manchmal ja auch Miteinander). Wenn Kriege vorbereitet werden können, können auch Dialoge vorbereitet werden. Kunstschaffende können hier dank der eigenen Erfahrung mitarbeiten, müssen sie doch immer wieder den Austausch suchen, ihre Kräfte gut einsetzen und kooperativ denken, damit aus dem Vorhaben etwas wird.
Ein paar Jahre
Ich nahm auch an einer Serie von Lectures von Adrian Melis am Berlin Art Institute teil. Adrian Melis arbeitet als Künstler derzeit in Buenos Aires. Er war mir wegen einer Reihe partizipativer Kunstwerke aufgefallen. Melis zeigte uns viele Arbeiten von anderen Kunstschaffenden und stellte u.a. die Fragen, wie weit diese gehen können. Dann berichtete er auch aus seiner eigenen Praxis und dem Umstand, dass man site specific mit einer dort lebenden Gemeinschaft wohl arbeiten kann, aber um etwas von ihr zu wissen oder mindestens zu erfahren, braucht es aus seiner Sicht eine Verlegung des Wohnsitzes und ein paar Jahre Zeit.
Die Geschichte
der sozial engagierten, partizipativen Kunst beginnt in den späten Sechziger Jahren. Es kann unterschieden werden zwischen einer politischen Kunst, die sich mit gesellschaftlichen Inhalten auseinandersetzt und mit aktivistischer Kunst, die in gesellschaftliche Belange eingreift. Bei beiden Zweigen geht es um das Provozieren von Teilnahme, von Dialog, von einer Aufforderung, nicht neutral zu bleiben, um bloß als Betrachter:in oder Käufer:in Teil einer Produktionskette zu werden. Zusammengefasst: Hinwendung zum Thema und Abwendung vom Objekt ist die wohl zutreffendste Beschreibung der Bewegung in der Kunst zu jener Zeit, die bis heute andauert und jetzt sehr wahrscheinlich wieder wichtiger wird, da sich die Zivilgesellschaft in vielen Regionen überlegen muss, wie sie undemokratischen und kriegslustigen Regierungen und deren Followers begegnen will. Kunstschaffende (bewusstes Plural) können in diesem Bereich inspirierend, verbindend und kooperativ wirken.
Vielen Dank dem Aargauer Kuratorium für die wertvolle Unterstützung. Sie hat mir Zeit geschenkt und mich gleichzeitig motiviert!
apropos... Schwarze Notizen
Den Winter 2018 verbrachte ich als Artist in Residence am Inn, unterhalb des schwarzen Sees, dem Lai Nair in Scuol Kanton Graubünden in der Schweiz.
Ungenaue Aufzeichnungen meiner Zeit im Kunstlabor der Fundaziun Nairs.
Haarcreme
Dein Haar ist schwarz. Ich habe Shampoo für blondes. Egal. Mein Haar ist schwarz, sagst du. Es riecht gut. Wir teilen das Shampoo. Dein Haar riecht gut. Ich verwende deine Haarcreme, dein Duschgel von Rituals. Unsere Haut riecht gleich wie unser Haar und wir essen das Gleiche und sind zusammen in Schwarz am Tisch mit einer Dritten und bald einer Anderen. Ich bleibe blond. Eine Rote kommt dazu. Eine zweite Schwarze, eine wirklich Blonde, ein Aschblonder, zwei Brünetten und ein an den Schläfen Grauer. Doch als er kommt, da bist du schon weg, erste Schwarze.
Wasserhahn
Sie wolle nur kurz Wasser nachfüllen, drängt sie, ihr Oberarm an meinem, dann an mir vorbei, mit der Hand zum Hahn hinlangend, zum Wasserhahn. Ich schrubbe eine Pfanne, das Wasser ist warm, natürlich, sage ich noch, natürlich, stehe zurück mit Pfanne und Bitteschön weg vom Strahl. Sie hält den Teekocher unter den Hahn. Füllt den elektrischen Krug. Ab damit. Das Wasser fließt heiß, verdammt heiß. Ich drehe auf kalt, verdammt kalt, um mich zu erholen von der fehlenden Einfühlung.
Stalaktiten Stalagmiten
In Tropfsteinhöhlen tropfen Sandmineralien von Wasser begleitet auf den Boden, dort formen sie Säulen mit der Zeit, Säulen von oben, Säulen von unten. Zeit spielt hier keine Rolle. Hier formen sich Phallusse aus Eis von unten, dank der Sonne, die die Eiszapfen wärmt, die stetig tropfen, von oben. Draufsetzen ginge nicht, doch die Vorstellung ist bereits in der Welt und was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden, sagte Dürrenmatt, der unweit von hier logierte und das Durcheinandertal in seinem letzten Buch beschrieben hatte. Ein Buch wie ein Hotel, willkommen im Sanatorium, sagte ich gestern und die Neue erschrak.
Lohn
Lohn nehmen wir keinen. Wir zahlen. Und wir spielen. Wir spielen die Unkonformen und wir spielen Ping Pong. Ich könnte viel Geld verdienen, wenn ich mich anpassen würde. Der Lohn der Angepassten ist, dass alle dich lieben, außer du selbst. Das ist nicht nötig, sagte sie. Wir haben keine Kinder. Das macht das Leben einfacher, sagte eine andere. Einmal werden wir für all das belohnt werden, sag ich nicht. Ethel Adnan wurde schließlich auch spät berühmt, sagt sie wieder. Ja, genau, sagt die andere. Ob es ihr damit besser geht? Frag ich nicht. Lasst uns doch einfach weitermachen, sage ich.
Eisfischinnen
Männer, die längst alt sind, fischen Frauen, die immer jung bleiben, an den Festivals für Poesie und sie nennen sie, du Fischlein klein, willst du mit mir allein. Ich verspreche dir ein Wasauchimmer. Schon schwimmen sie im Inn, wie Flundern als Eisschollen, sich wundernd über Zusammenhänge, die dichter werden, näher kommen, Würme werdend, gefrieren sie. Aber Fischinnen sind nicht einfach Tiere, die auf einen Wurm wartend unter Wasser leben. Dort leben doch auch die Austern, die der Musiker im Turmzimmer vor rund hundert Jahren gefischt hatte. Nicht aus dem Inn selbstverständlich. Es war im Norden von Frankreich am Meer, wo die Steine flach wie Flundern in der Ebbe liegen.
Bondage
Die junge Musikerin hat tiefe Falten in ihrem Gesicht. Aus der Ferne sah sie sanft aus, wie ein Mädchen, das sich seiner nicht ganz bewusst ist. Aber gerade noch sitzt sie neben mir, schmiegt sie sich an mich, will Brot, dann Wasser. Sie lacht über Ernsthaftes. Wird ernst, wenn es um ihre Befehle geht. Wie sie sich anzuziehen haben, nämlich, ihre Musiker und der Manager schmiert ja ja, genau so, ein Hemd, ja ja, schmiert er aufs Brot. Wasser, ruft sie dann. Und noch zwei- dreimal: Wasser . mit Ausrufezeichen. Sie zeigt mit dem ganzen Arm in Richtung Flasche, schneidet Gespräche entzwei, fesselt immerhin unsere Blicke so quasi schon backstage vor dem Konzert.
Waldrand
Letzte trockene Blätter zupft er von einem Strauch, der frierend aus dem Schnee ragt. Trockenfrüchte, denke ich später. Der Fahrer im Bus ruft anstelle einer Station, die eh vom Band kommt, durchs Mikrofon: ein Hirsch, luagand, a Hirsch. Ausrufezeichen auch hier. Er muss es mehrere Male sagen, da Flachländer keine Ahnung haben von Bündner-Postauto-Chauffeuren und wie die auch können. Sein können. Wir zielen unsere Augen durch die dreckigen Doppelgläser zum Waldrand und entdecken den Hirsch am Nordfuß des trutzigen Schlosses, wo man nur gegen Geld oder als Lustknabe reinkommt.
Griechenland
Das Scuol Palace wird besetzt von ein paar Griechen, die es umbauen und sobald es wieder Auberginen hat im Coop, und das ist trotz allem immer, backen sie Moussaka und saufen Bier dazu. Die Dosen werfen sie in den Crützer-Container, der abgeholt wird, alle paar Wochen. Das gehe schon seit Monaten so, sagen die Leute. Dafür lassen die Griechen das Licht brennen und tanzen Sirtaki durch die Nacht. Im Juni werden sie die Olympiade eröffnen. Seit Ostern sind sie nun schon weg und haben die Lichter aus der schwarzen Nacht gelöscht.
Heimat
Das Schweizchen ist ein kleines Land. Alle kennen enand. Wo man einander kennt, ist Heimat. Heimat ist der Grenzübertritt nach Italien und auch die Stelle beim Bach, wo wir heimlich rauchten. Oder das Hinterrad eines Fahrrads. Das Hinterrad meines Vaters ist Heimat, sagt Romana, die Skifahrerin, die Hiergeborene, die mit frischem Teint und schwarzem Bob in enger Jeans am Tisch sitzt und über Polenta spricht mit der Baslerin, die keine Dortgeborene ist. Aber was spielt es für eine Rolle, wo einer geboren wurde oder eine? Es spielt eine. Weil wo man herkommt, da kommt man her. Und jetzt schneit es auch noch.
Sommerkröten
Ich füge letztjährige Sommerkröten als Profilbild ein, lese Barbacor teils Romanisch teils Deutsch, Herzkater von Chatrina Josty, sie fragt, ob wir stark genug sein werden, um stärker zu sein. Meine Tante sagt, dobbiamo essere forti und dabei denkt sie an die Zukunftsangst im Allgemeinen und an ihre eigene. Einmal am Tisch sagten wir: We have to be strong. Ich erkenne die Hand vom Caduff im Barbacor, auch die Schriften. Ich widme mich wieder dem Meeressaum und den Absurditäten des Daseins, trinke starken Kaffee mit Mickey Mouse und Wasser mit Allegra. Die Sommerkröten wären hier längst vereist, dort, damals, letzten Sommer, sind sie verbrannt.
Bergson
Due esseri umani si parlano in una lingua estranea; io ascolto. Significa che le sento? le stesse onde che raggiungono le loro orecchie, raggiungono anche le mie. Percipisco però soltanto un rumore torbido, dove un suono assomiglia l’altro. Non distinguo niente o non potrei ripetere niente. Nella stessa massa sonora i due interlocutori distinguono consonanti, vocali e sillabe che sono differenti, dunque delle parole semplici. Dov’è la differenza tra me e loro? Die Übersetzung ist kaum exakt, doch gerade jetzt scheint sie mir perfekt.
Vegetan
Im Topf die Saucen schön gelb vom Eigelb ein bisschen und beide salzig vom Tofu, vom Fisch. Oh nein, nicht vegan. Basilikum obenauf, zwar grün, doch vom Winter schlapp. Die Küche wie das ganze Haus ist ein Ort der Verwechslungen, von vegan bis wehgetan. Vegetan hat, dass der Küchenschaft nicht auf die eine Seite zugeht, sondern auf die andere, vegetan hat der eingeklemmte Daumen nämlich. Dann die wiederholte Schraffur am Mittelfinger vom Schiebeschloss an der Türe zum Klo. Der Riegel könnte etwas Seife gebrauchen, nicht um sauberer zu werden, sondern zwecks einfacherer Schiebung und Ruhe auf dem Gang.
Wimmern
Nachts klingen manchmal wimmernde Laute vom Inn her ins Innere, wie hinkende Verse ohne Konsonanten. Einzelne Bewohnerinnen, die klappernd mit den Absätzen, die sie aber nicht anhaben, weil hier braucht man nicht viel, schon gar keine Absätze, schlarpen also durch die Gänge in rosaroten Einwegsocken und fragen sich und alle anderen, die schon schlafen, was für Geräusche, die wimmernd vom Inn her schimmern, das denn sein könnten, wenn nicht die von den Eisfischinnen, jenen starren, flachen, perfekten, eisigen Flundern, die auch mal einfach weinen müssen.
Interpretation
Wiki sagte, Gott wolle nicht, dass man sich verständige, Gott wolle Krieg, für immer. Wenn es nach Moses ginge, dann ist dem so. Der Turm zu Babel konnte nicht fertiggebaut werden, weil Gott den Turm mit jener Spitze, die bis in den Himmel ragt, nicht duldete. Zu hochmütig die Menschenkinder. Er zertrümmerte den Turm von oben herab und verwirrte die Sprache durch ein Wunder, schickte die falschen Wörter um die Welt. Daher also die überlieferte Zerstreuung, die zerstreute Überlieferung der Wörter, die um die Welt brennen. Wiki weiß alles. Ich verstehe nichts. Offenbar muss ich doch endlich die Bibel lesen.
Alphabet
Von Aufmerksamkeit bis Zuneigung geht das ganze Alphabet drauf mit den Verben und dem Werben, eine einzige Bewegung, würden die Analytiker behaupten. Die meisten Wörter, die mit keit und ung enden, sind weiblich. So lernen wir Deutsch, lacht die schöne Perserin. Spielend leicht reihen sich dann auch die Zeitwörter dazu, fressen sich durch die Tage, trinken Kaffee, Tee und Alte Pflaumen, fröhlich ob der gut gepisteten Hänge, denen wir uns in den Gondeln gewichtsverlagernd gefährlich zugeneigt haben.
Popkultur
Sie sei eine Reaktion auf das Durcheinander in der Welt. Sie sei keine Willensbekundung, sondern Aufräumung. In der Popkultur komme eine Andeutung auf einen Refrain schon nach rund drei Sekunden, schon sei man also eingeladen, alles zu begreifen, wenn auch nur andeutungsweise, aber schließlich komme er ja dann, der Refrain und man könne mitsingen, was alle anderen auch können. So einfach sei das, populär zu sein. Dasselbe gilt vielleicht für die Kunst. Sobald man mitsingt, ist man dabei. Und Dabeisein ist alles.
Blausein
Das Blau der kommenden Tage, wenn da diese durchlässige Leere in dir sich ausbreitet, wird grüner sein als du sie dir denken kannst und grauer als der alte Schnee, der schon schwarz in den Gräben liegt. Die Hoffnung wird sterben und wir alle werden mindestens einmal denken, dass wir niemanden brauchen hier. Aber dann sind wir allein und du fängst an, mit niemandem zu sprechen. Niemand bin ich. Ich fühle das Drehen des Windes, auch wenn ich im Haus bin. Und wir ist nicht gleich wir. Ich bin nicht blau. Wir sind nur irgendwie so heute und morgen sind wir anders. Ich werde demütiger sein in Zukunft and do some more small talk. Die Weisheit sagt, dass man immer jemanden treffen kann, der einen weiterbringt. Beziehungen Baby weisch. So wird das sein und sobald ich ab jetzt jemanden kennenlerne, werde ich ihn fragen, ob er mich weiterbringen wird.
Schwarzeis
Schwarzeis ist weitgehend luftblasenfrei gefrorenes, kompaktes und vergleichsweise tragfähiges Eis. Es wirkt transparent und erscheint damit in der Farbe seines Untergrundes und das sind nasser Asphalt und dunkle Gewässerböden. Es bildet sich auf stehenden - beziehungsweise nur langsam fließenden Gewässern. Wikipedia erklärt, übersetzt nicht, zeigt nicht viel, nurmehr Worte, die in der Translation immer schwieriger werden, weil man sich schon einige Dinge erzählt hat und nun würde ein Gespräch tiefer gehen, vielleicht bis auf den Grund, der unter dem Schwarzeis liegt, das bricht, oder auch nicht.
Spreitenbach
Die Schweiz hat wieder eine Miss, übersetzt also ein Fräulein, das noch nicht zwanzig ist und seit seiner Geburt in Spreitenbach lebt. In der Homestory aus einer altrosa-eierschalig-süßlikörigen Puppenstube zeigt es die Kleider seines Stils. Dann steigt Fräulein Schweiz in die Badewanne, allerdings verdeckt es mit einer Art Verband Rundungen sowie das Vorne und das Hinten. Nur fünf Minuten dauert der Film, den du mir in der Küche zwischen den Tellern und den Töpfen zeigst. Schon frage ich dich, ob du denn eigentlich nicht doch auch so leben wollen würdest, einfach für den Fall, dass du dir glaubtest, während du dir vormachtest, dass das toll ist, so ein Leben, meine ich. Du lachst und bist dir vielleicht auch nicht sicher.
Unterland
Im Zug zwischen Outlet Landquart und Guarda Halt auf Verlangen, Fermada sün dumonda, hegen zwei ältere Herren Sympathien für Diktatoren. Dann beneiden sie Mister George Soros für seinen Humanismus, oder ist er ein Philantrop, ja, das muss er sein, sagen sie, und sie verstehen nun nicht, dass ausgerechnet der die Universitäten infrage stellt. Die erste Eidechse sehe ich in Jenaz. Danach viele Häuser ohne Wege in schneenackten, grünen Wiesen. Sind das die berühmten schweiz-bescheidenen Hangare mit Raketenabwehrsystemen, die sie rasch aus den Kaminen hochfahren, wenn man sie braucht?
Randulinas
Schwalben fliegen aus, kommen wieder. Hier sind sie zuhaus. Gewesen. Die dürre Klematis verströmt Jasmin mitten im Winter. Vielleicht ist es ein Raumduft, der aus einem der angestellten Fenster strömt, über die schrägen Fenstersimse auf den Schotter tropft und in winzig kleinen, ölumrandeten Parfumpfützen liegen bleibt. Ich rieche Jasmin und gehe ihr nach. Sie führt mich im Traum über eine kleine Treppe nach Istanbul. Ich höre mit den Augen. Der nasse Boden vor der Kirche knackt, er trocknet nackt in der Mittagssonne und Fliegen fliegen auf. Erschrocken. Wintermüde. Und später geht von da aus eine Randulina vor ihm, er hinter ihr, auf dem Weg nach Gonda, wo einst dreißig Häuser gestanden haben.
Nebeneinander
Schälen sie Mandarinen auf der Bank unter dem Baum am Hang. Eisig der Wind, nur rasch, hopp hopp, schälen sie nebeneinander Mandarinen auf der Bank unter dem Baum am Hang. Die Füße im Schnee. Die Schalen auch. Die Eierschalen von Ostern. Sehen schön aus im Schnee. Ich sehe sie im Gras dann, im Frühling, noch lange nicht kompostiert. Weder die orange-roten Fruchtschalen, noch die regenbogenfarbenen Eierschalen. Sie liegen nun hundert Jahre nebeneinander vor der Bank unter dem Baum am Hang oder so lange, bis neue dazukommen. Dann wird neu geordnet, bis alles schwarz wird und vergeht.
Guarda!
Sie können zu Raum drei, die Raumpflegerinnen-App klingelt, sagt, sie können zu Raum drei. Sie zieht das Handy aus der Burberrytasche von Coop, löscht flink die Ansage, denn sie sitzt schon im kleinen Personenbus, der sie über die Serpentine von Guarda Cumün zur Guarda Staziun bringt. Ihr schwarzes Haar ist in einer bananenlangen schwarzen Klammer am Hinterkopf aufgedreht. An der Staziun steigt sie aus, drückt den Knopf, um Halt auf Verlangen, den Zug anzuhalten, der in sieben Minuten erst kommt und uns einsteigen lässt. Sie können zu Raum acht, die App ist langsamer als sie, die längst aus dem Hotel gegangen war und jetzt mit mir im Zug fährt, weit weg von den Staubmäusen.
Bild im Bild
Dass Tiefe durch den Fluss der Gedanken ins Nichts oder auch durch eine sich immer wieder zeigende Darstellung hergestellt wird, ist nicht neu und auch nicht das Erleben in der vom Nichts umzingelten Selbstbezogenheit, die Orte ohne Agglomeration und ohne Nachbarn aufweisen. So haben trotz ihrer Entferntheit Orte wie Tschlin im Graubünden etwas gemeinsam mit Primrose in Nebraska. Sie sind in sich selbst geschlossen, beziehen sich in erster Linie auf sich selbst, sind Bild im Bild, ein Bild, das sich selbst enthält und erneut selbst enthält und erneut selbst enthält. Bis jemand es wegschiebt und einem anderen Bild Platz macht.
Brücken
Reiherbeine tragen die Brücke. Aus der Ferne zeichnet sie einen horizontalen Strich in die Landschaft, eine Linie meinetwegen, auf der die Daten der DNA online aufgestellt werden. Die Auftraggeber schauen durch Fernrohre in die Schlucht und wissen nichts anzufangen mit ihren Populations-Anteilen, den fünfzehn Prozent Peloponnes, achtzehn Babylon, dreiundzwanzig Hindukusch und weiteren, vereinzelten Atlasgebirge, Pyrenäen und Camargue. Die Rösser aus letzterer Gegend sind kaum anders als die weißen, wilden Pferde der Sibillinischen Berge. Gehören sie vielleicht zum gleichen Populations-Stammbaum?
Vakuumhaut
Er heißt Eddie He-Chick und ist ein gelbes Osterhühnchen mit wehendem Flaum und spitzem Schnabel. Er wurde geraubt und ist über Wochen den Künstlerinnen zu Füßen gelegen, ließ sich betatschen und verwenden, anfassen und weglegen. Wie immer bei Verbindungen zwischen zwei Wesen, fand zu Beginn bereits eine Überschätzung seiner Persönlichkeit statt und die Unterschätzung ist schon nah, jetzt, da eine Krise sich vorübergehend unter unseren Eulenaugen manifestiert. Und im reißenden Fluss unserer Tränen entsteht ein Wirbel, worin ein bleiches, längliches Kalbsfilet in Vakuumhaut sich dreht und dreht und dreht, bis es untergeht.
Back in black
Es schneit. Ein weißer Falter hat sich ob dem Durchgang in die Küche an die Mauer gekrallt. Da ist er immer noch, seit letztem Sommer. Es schneit seit Stunden und für die nächste Zeit, bis der Sommer einmal wieder kommt und das Weiß dem Schwarz endlich weichen kann. An der Verleihung des Filmpreises in der Zürcher Agglomeration tragen die Frauen Schwarz. Auch die Bundesrätin und die Stadträtin. Bedeutet das nun, dass sie auch betroffen sind oder sind sie solidarische? Müde Fliegen fliegen auf, schwarz vom Warten auf die Evolution. Eine krallt sich jetzt über den Türrahmen meines Ateliers und ist froh, dass sie nur kurz leben muss, denn alles ist so kompliziert geworden.
Mädchen
Drei Mädchen unterhalten sich im Zug über Fleisch, das sie nicht essen, Alkohol, den sie nicht trinken, Geld, das sie nicht haben, Männer, die sie nicht lieben, Frauen schon gar nicht. Denn man hat ja so eine Idee von sich. Sie sagen, dass die Farben Rot, Rosa und Blau die Farben der Weisheit seien und dass ein roter Pullover sich wirklich gut macht, in diesen Badlands, wo Erosionsrinnen die Täler und Schluchten immer weitertreiben. Und ich denke mir gerade da, warum auch immer, was hat das jetzt mit diesem scharfen S zu tun, das ich hingeben werde, um weiterhin so zu sein wie alles im Mittelland. Vereinfacht gesagt.
Skilift
Da wo der Schellenursli im Film gelebt hat, etwas weiter oben, da, wo jetzt die Gülle gefahren wird, ja, da wo die silberne Kugel endlich unerreichbar im See liegt, lag Eis und Schnee. Und ein kurzer Skilift führte hinauf zum Waldrand. Die blauen Augen des Betreibers schauen hoch zum Himmel suchen sich in den Norden, wo ein Mädchen sich einst aufgemacht hatte, um in diesem Ort, fern vom Wattenmeer, den Dämmen, den flachen Landen, zu arbeiten. Die Liebe kam später, sagte sie. Jetzt ist sie hier und es ist schön, dass sie hier ist und nicht dort.
Büvetta
Einmal ja, da dachte man, es werde auch hier und nicht nur in St. Moritz, eine Straßenbahn gebaut werden. Bis 1932 fuhr sie dort. Dann kamen die neuen Gesetze und die Menschen blieben weg, noch ungläubig ob der Geschehnisse, erschrocken wegdrückend, was es bedeuten wird, wenn bald wieder Ordnung herrscht. In die Büvetta kamen sie dann aber nachher schon noch, die Leute vom Dorf auch, erzählte der Mann mit den gefährlich blauen Augen. Auch seine Mutter, die jeweils im Sommer jeden Tag mit ihrer Tasse und zwei Freundinnen aufbrach um das Mineralwasser zu trinken, dort, in der Büvetta im Nairs, wo er in der Wandelhalle mit anderen Kindern zusammen bescheidene Alpenrosensträuße verkaufte.
Gemeinheit
Wir erschrecken über die Gemeinheit in unseren Augen, es war zu erwarten, dass jemand einmal etwas sagen würde zum anderen, zu den anderen, was er nicht ausstehen kann am anderen, der anderen. Und also geht das jetzt hier auch wieder los. Die Gemeinschaft ist getrübt, weil der eine den anderen nun doch auch nicht versteht in seinem Sichdafürhalten, es nicht drauf ankommen zu lassen, nur weil es ja schon fast vorbei ist, nicht das mit den Gemeinheiten, sondern mit dem Dasein. Wir einigen uns und dann wird es ein paar Tage doch noch ganz harmonisch.
Swimmingpool
Suchst du mir ein Kleid aus, sagt Tilda Simpson. Und sie sagt es so, denn sie meint es auch so, im Film. Er sucht ihr ein Kleid aus und sie zieht es an und er zieht den Reißverschluss von unten wieder auf, nachdem sie ihn geschlossen hatte. Es ist ein Zweifachreißverschluss, das ist eher selten, vielleicht ist das Kleid maßgeschneidert, denke ich. Aber anyway, wegen jenes Reißverschlusses hat er für sie dieses Kleid ausgesucht. Das alles geschah auf Pantelleria, wo Menschen ankommen, die nichts mit jenen am Swimmingpool zu tun haben. Nur anschauen wollen sie sie vielleicht - und sie sie auch, aber nur ein bisschen, im Fernsehen vielleicht.
Leute
Leute, die die Wanderschuhe im Zug ausziehen und ihre Füße massieren und dann mit den Händen, mit welchen sie ihre Füße massierten, Schokolade essen und nebenan ja, da sitzt niemand, dem sie es recht machen wollen und wenn schon, dann soll er oder sie etwas sagen, falls es ihn stört - oder sie. Schließlich sind das meine Füße, sagen sie dann halblaut, aber so dass man es noch hören kann. Ich steige um und später aus und rund um den See in St. Moritz schieben reiche Frauen ihre Babys durch die Wochen, denn alles wird immer verschoben, auch die Evolution.
Zweiter Mai
Was ziehst du um die Autohäuser und Waschanlagen in Schlieren, ziehst Kreise, schließt Zirkel? Ohne mich? Ich freue mich aber jetzt schon wieder, wenn wir einen neuen Kreis öffnen werden, um reinzuschlüpfen und dann einfach da zu sein. Hier ist es grün geworden und fast warm. Bist du fröhlich im Herzen und lockig im Haar? Ich bin mit plattem Haar. Sonst recht so. Ja, glücklich. Der Inn ist laut und angeschwollen. Seit gestern darf man fischen. Ich werfe einen Brocken altes Brot. Keiner beißt an. Der Brocken muss wohl noch ein Stück weit schwimmen, bis er lahm ins sportliche Fischmaul sinkt.
Ich lese
Es gibt noch Raum tief im Hirn. Ich lese, wie alles durch alles durchfallen soll, eigentlich, weil ein Atomkern nur ein Kleinstes des ganzen Atoms ausmacht und der Rest leer sei. Aber wenn die ganze Materie aus Atomen besteht, diese aber vor allem aus leerem Raum, was macht die Materie dann so fest? Eine von uns sagt, dass wir nur in unserem Kopf existieren. Später denke ich, Hauptsache wir füllen die Kugel auf dem Hals aus, daraus entstünde ja die Tendenz, tatsächlich zu existieren. Oder irre ich mich? Und was ist mit dem Herz? Pumpt es nur oder ist das bloß jener Saftladen, wo wir unsere Gefühle pflegen, zusammenlegen, ablegen, weglegen?
Noch kurz zu Kurt und Kim
Es gibt verschiedene Formen von Evolution und diverse Tendenzen von Existenzen. Beide sind nicht hier gewesen, Kim heißt anders, Kurt ist Kurt, bleibt Kurt, wie er heißt. Beide saßen sie da und sagten nichts. Ich habe ihnen die Hand gegeben, sie nahmen sie nicht. Kim traf ich in Chiavenna. Ihre Mutter hatte sie von einer kurzen Nacht am Roten Meer nach Hause gebracht. Die Zellteilung ist noch im Gang. Sie übt sich in verschiedenen Rollen, heute mit knappem Kleidchen und zweifellosem Kirschenmund. Kurt traf ich in Lenzburg. Da saß er wieder mit seinem weißen Schnauz, neben ihm eine Frau, nicht seine Frau. Sie strahlte. Er nicht. Denn er erinnerte sich vielleicht an die Frauen, die ihm den Platz wegnahmen, damals, als das mit den Frauen in allen Gremien halt noch so wichtig war. Ich war eine von ihnen.
Hinlegen
Möchte sich jemand hinlegen, einfach so, um vollkommen und ganz zu heilen? Die Platte der Hexen, die mit ihren Bocksfüßen tanzend den Stein dellten, über den jetzt Flechten ziehen, die langsam, langsam sich tatsächlich bewegen, wie flachste Tiere, auch wenn niemand es sehen kann und niemand ihre Leistung misst; jene Platte also liegt schief im Hang hinter einem lichten Hügel, der aus dem Schwarz des Waldes führt und falls man sich nicht traumtaumelnd daran vorbeischleicht, weil mit Hexen hat man ja nichts am Hut, so könnte man sich hinlegen, um vollkommen und ganz geheilt zu werden. Doch dann, sagen wir anderen, was hat man dann noch zu tun im Leben, wenn alles schon vollkommen und ganz geheilt ist?
Sie
Ich bin sicher nicht in deinen Notizen, sagte sie heute früh, denn ich schleiche mich hier so rein und bald gehe ich wieder davon und in der Zwischenzeit habe ich so Sachen wie bleiche Tomaten und Käse, den ihr nicht mehr ins dafür vorgesehene Tupperware legt, bestellt, aber auch gelbe Linsen, Randen in Vakuum und Kohl, Chicorée, süße und andere Kartoffeln sowie neu auch Rhabarber und Fenchel, den aber eigentlich schon von Anfang an; keine Orangen mehr, nein, nein, deren Zeit ist nun echt um und ja, genau, Bananen bestelle ich. Dann fragt sie auch mich, was sie denn noch besorgen könnte für uns. Und ich sage: einen Prosecco. Da lacht sie wie immer so wie sie lacht und schleicht davon, nach hinten zum Brot, Richtung privater Kühlschrank, an den Sammelstellen für Pet, Alu und Pappe vorbei, zur Schwingtür hinaus.
Transformation
Tief im Hirn muss er sein, der Transformer, wo alles geschehen kann. Ich ziehe mich in meinen Kopf zurück, wie ein Klappmesser zusammengeklappt, was nie geht, um nicht noch einmal klappt zu sagen. Dort schreibe ich auf, wie man kocht, Randen also eher nicht mehr jetzt. Die haben wir den ganzen Winter gegessen. Auch eher keinen Sellerie. Ich esse gerne Dinge aus dem Ofen, die andere backen, auch zum Dessert mit Rhabarber isch fein. Einmal koch ich Spaghetti, dann Polenta mit Salat, will Kichererbsen ins Wasser legen für morgen, doch eine andere ist schneller. Linsen also, denke ich und an der Tür zur Dusche wird geklopft, einmal zweimal. Doch ich kann nicht öffnen, denn gerade beschließe ich, zu gelassener Butter zu werden.
Endlich
„E han es Loch i mim Läbeslauf entdeckt. Es rese Loch, aber gottseidank, im Telefonbuech of Site 90 steit emmerhen mi Name dren.“ Der König aus Bern singt und ich meine, dass er, der Schwarze mit den grauen Schläfen, ihn auch kennen sollte, wo er doch auch aus Bern ist. Aber so ist der gleiche Ort der Herkunft einmal mehr auf trügerische Weise nicht das gleiche Erfahren, Hören, Sehen, Leben. Die Möglichkeiten von Werden und Sein sind stets mehr als die Starre von Typenbeschreibungen, städte-, kantons-, nationen- und sogar Kontinent-bedingt. Endlich ist der Argumentationsstrang in jene Richtung.
Kulminierung
Wir bauen Systeme und denken uns in Waschmaschinen frisch, wir denken in Infrastrukturen und Wochen und Tagen, Monaten und Jahren. Wir legen Pfade und gehen anderer Spuren nach, wir lachen über Dinge, um nett zu sein oder weil wir sie total lustig finden. Wir lachen noch mehr, wenn wir trinken, auch Vodka. Dann bewegen wir uns. Silent Disco. In einer Nacht nur wird kulminiert, was wir sind und niemals soll das alles aufhören. Niemals. Last night a DJ saved my life. I feel love.
Beitragsbild: Das aus der Dekoration der Hotel Lounge im Dorf geklaute Hühnchen Eddie im Schnee.
Schwarze Notizen - in eigener Sache: Ich bin Affiliate Partnerin von MoleskineSchweiz. Das bedeutet: Für alle Moleskine Notizbücher, Agenden und Accessoires, die über diesen Link bestellt werden, geht eine Prozentuale von 3% an mich. MoleskineSchweiz liefert nur an Adressen in der Schweiz.
Das kleine Schwarze
Das Ende ist nah. Wie jedes Jahr. Um irgendwie aufgeräumt ins nächste zu gelangen, ist noch viel zu tun. Ich schreibe eine Liste. Das Gefrierfach ist leer. Das wird sogleich wieder ausradiert. Macht ja keinen Sinn. Zwei Bücher, Schokolade, eine Thermosflasche, alles schön einpacken. Alison Weihnachtskugeln bringen. Ich will keine Weihnachtskugeln mehr im Keller. Dann: Zwei Tücher grün einfärben, weil Taupe keine Farbe ist. Und: Ich denke darüber nach, vom analogen Adressbuch zum digitalen zu wechseln. Kontakte übertragen. Das allerdings ist ein wiederkehrender Gedanke und ein ungelöster noch dazu. Wer findet die Dateien, wenn ich eines Tages (vielleicht wird es ein Dienstag sein) gestorben sein werde? Und wer löscht sie? Wer informiert Freundinnen und Freunde, falls ich an jenem Dienstag noch welche habe (im zu Ende gehenden Jahr habe ich fast alle Geburtstage vergessen). Von der Anlage her bin ich (menschen)scheu, auch wenn man mir das nicht glaubt. Aber ich bin mit wunderbaren Menschen befreundet und ich bemühe mich auch sonst. Natürlich gibt es Ausnahmen, um die ich mich nicht bemühen würde, liefen sie mir tatsächlich über den Weg. Auch solche, die ich öfter sehen muss als ich Freundinnen treffen kann. Trump zum Beispiel. Oder die italienische Ministerpräsidentin. Beide sehe ich viel öfter als ich Freunde treffen kann. Das ist mir nicht geheuer, aber Nichthinsehen ist nun auch keine Alternative. Beide hören es nicht gern, wenn man gendert. Also Ministerpräsident, und also gibt es keine + Menschen und schon gar keine T Menschen und so weiter. Und: bei ihm darf man nichts über die Frisur sagen. Bei ihr nichts über Musk. Wie legen sie sich ihre Welt in ihren Köpfen zurecht, haben die Armen denn die Möglichkeit, sich in der Realität zu bewegen oder geben sie einfach einander recht, immer wieder? Ob sie überhaupt Zeit haben, um ein bisschen herumzulungern, wie ich letztes Wochenende, und nachzudenken oder zu meditieren. Menschen, die meditieren, sind nicht besser als andere. Aber vielleicht schon. Unter Vorhaben für 2025 notiere ich also mehr meditieren, Geburtstage nicht vergessen, Kräfte einteilen, Machbares träumen. Wohin komm ich denn, wenn ich Vorhaben aufschreibe, die man nicht verwirklichen kann? Wie zum Beispiel Welt retten… welche Welt?
Womit wir ja schon lange beim kleinen Schwarzen angekommen sind, also hinten angekommen. Eine lange Liste steht in meinem Notizbuch. Das neue Jahr kann kommen. Ich bin aufgeräumt.
Beitragsbild: Die Schattenflotte. Bild: Sibylle Ciarloni
Seit diesem Jahr bin ich Affiliate Partnerin von MoleskineSchweiz. Der Online Shop verkauft das aktuelle Sortiment und mehr in der Schweiz. Die kleinen schwarzen Notizbücher waren die ersten Produkte und bis heute beliebte Begleiter für denkende und nachdenkliche Menschen. Für alle Moleskine Notizbücher, Agenden und Accessoires, die über diesen Link bestellt werden, geht eine Prozentuale von 3% an mich. MoleskineSchweiz liefert nur an Adressen in der Schweiz.
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25.07.2024 at 20.45hrs
@ LIFFingroom in Lundäng near Sunträlje in Sweden.
Opening with cherries and words and drawings and thoughts between the LIFF2024 movies.
While an artist in residence in Lundäng/Liff2024, I worked on my DNA project, a long-term investigation into the topic of origin and identification.







