Sein Kopf wackelte leicht. Ich bemerkte es, sagte aber nichts. Sie war auch da, saß vielleicht neben ihm. Doch das ist nicht mehr wichtig. Wir schauten uns alle an. In die Augen. Einmal ganz sicher. Sie sagte, es sei schön, dass wir darüber geredet haben. Aber wir haben nicht darüber geredet. Nicht über die Bedeutungen der Worte, nicht über die Angst. Auch nicht über das Wackeln. Am Telefon sagte er, ich solle in die richtige Welt zurückkehren. Als sie dann anrief und ich ihre Nummer nicht kannte, bemerkte sie, dass ich ihren Namen nicht mehr gespeichert hatte. Und er sagte, dass ich ihn auch weggeräumt habe. Dass ich das mit dem Wegräumen ja wirklich gründlich tue. So war das, aber wir sind immer alle gleich weit voneinander entfernt, jedenfalls in Metern. Sonst nicht, sonst sind wir mal näher, mal weiter weg. Nach all den Jahren schweigen wir vor Bildschirmen und suchen keine Worte mehr, denn sie werden uns gegeben. Zusammen mit Bildern, die uns an Leben erinnern. Leben, das wir gelebt haben, Leben, das wir nicht gelebt haben. Und schon taucht auch sie wieder in meinem vorderen Gedächtnis auf, ganz weit vorne hängt sie, und ich bin versucht, auf Instagram nach ihr zu suchen, aber sie hat einen Namen, den viele tragen. Vier Buchstaben plus acht Buchstaben. Es ist schon wieder Jahre her, dass ich die Frau getroffen habe, die bei ihm war, als er starb. Er sagte: Ich kann nicht mehr. Ob er dabei mit dem Kopf wackelte, weiß sie nicht.
Aus der Serie Schwarze Notizen.
Beitragsbild: Grabschmuck Tremiti
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