Ideen verschenken, to give away ideas

Die offene Schublade

Während ich an einer Arbeit bin, schreibe ich Ideen für andere Arbeiten auf. Ich versuchte es schon mit Listen und mit Notizbüchern, mit neuen Ordnern auf meinem Desktop, aber auch mit Warten bis die Idee zurückkehrt und erst dann aufschreiben… buchhalterische Momente, auf die ich kaum gefasst war.

Die meisten Ideen und Notizen in meiner Schublade verstehe ich nach ein paar Monaten nicht mehr. Aber manche sind von Anfang an klar, wenn auch lange Zeit kaum ausformuliert und noch gar nicht prozesshaft gedacht. So ist das schon immer gewesen. Vor rund 20 Jahren habe ich mir versprochen, meine Ideen ernst zu nehmen. Dieser Entscheid hat mich gestärkt und gleichzeitig verletzlich gemacht. Und viele Male wollte ich das Versprechen brechen.

Ende November wurde mir eng im Kopf. Ich dachte darüber nach, wie ich alles machen kann, was ich machen will. Und ich dachte auch: Will ich das alles machen, was ich machen will? Bzw. kann ich das alles machen? In diesem Hin und Her erschien sozusagen die Idee der Ideen, nämlich sie zu verschenken. Jetzt gleich. Und so kam es. Ich habe die Zettel aus der Dunkelheit der Schublade genommen und angeschaut. Ich wählte jeden Tag nur eine Idee aus, beleuchtete sie dann von allen Seiten und um sie weiter zu reichen, habe ich sie auf einen schönen Teller formuliert.

Das Schenken der letzten 23 Tage war eine aufwühlende Reise in meine Gedankenwelt, wo mir meine Werte, Wurzeln und Verbindungen einmal mehr bewusst geworden sind. Heute bin ich mir dankbar, dass ich die Schublade geöffnet habe. Das Tun hatte bei aller Verletzbarkeit auch einen Sortier-Effekt. Gerade bin ich mir sicher, dass in Zukunft die Unmittelbarkeit eine noch größere Rolle spielen wird und der Raum meiner Stille anders organisiert werden will.

Was das alles bedeutet, weiß ich jetzt noch nicht. Aber was auch ohne mein Dazutun in der Welt stehen darf, steht jetzt da. Und ich fühle mich leichter, weil nur jene Ideen noch da sind, an denen ich jetzt bereits arbeite und ein paar von denen, die ich im kommenden Jahr angehen will.

 

 

opening my drawer

While I’m working on one piece of work, I write down ideas for other pieces of work. I’ve tried lists and notebooks, new folders on my desktop, but also by waiting until an idea comes back and only then writing it down… bookkeeping moments I didn’t like.

Most of the ideas and notes in my drawer I don’t understand anymore after a few months. But some are clear from the start, even if barely formulated for a long time and not even thought out in the process. It has always been like that. About 20 years ago that I promised myself to take my ideas seriously. This decision strengthened me and made me vulnerable at the same time. And many times, I wanted to break the promise.

At the end of November, my head got tight. I thought about how I could do everything I wanted to do. And I also thought: do I want to do all the things I want to do? Or can I do it all? In this back and forth, so to speak, the idea of ideas appeared, namely to give them away. Right now. And so it came about. I took the paper notes out of the darkness of the drawer and looked at them. I chose only one idea each day, then illuminated it from all sides and to pass it on, I formulated it on a beautiful plate.

The giving of the last 23 days was a stirring journey into my world of thoughts, where I once again became aware of my values, roots and connections. Today I am grateful to myself for opening the drawer. Doing so, for all its vulnerability, also had a sorting effect. Right now, I am sure that in the future, immediacy will play an even more significant role, and the room of my silence will want to be organised differently.

What all this means, I don’t know yet. But what is allowed to stand in the world without my doing is there now. And I feel lighter because only those ideas are still there that I am working on currently and a few of those that I want to tackle in the coming year.