Manchmal erzählt mir jemand etwas, woran ich mich erst in jenem Augenblick wieder erinnere, dabei war es verdammt schön und wichtig. - EIN GEDANKENGANG

Erinnerungen sind persönlich, manche sogar geheim. Sie sind an Worte und Orte gebunden, aber auch an Düfte oder Melodien. Über die Erinnerung an einen Mensch und wie er wirklich war, kann immer gestritten werden. Und es gibt Lieder, in denen zwischen den Tönen meine ganze kleine Erdkugel hängt. Es gibt Düfte, von welchen ich kaum genug bekomme und jene, die ich lieber nicht mehr riechen will. Schliesslich gibt es Orte, die, wenn sie wieder besucht werden, Weiterlesen …

Über meinen Besuch in einem Walbauch, die Projektion von Vorstellungen, Künstlerscheiße und das Schöne daran. - EIN BERICHT

Wir stehen in einem Kreis. Ich neben anderen. Die anderen sind eine Gruppe. Ich bin da hineingeraten, weil ich schon da stand und in den Videofilm vertieft war, der auf den Boden projiziert wurde.
„Das ist die erste Videoarbeit der Künstlerin. Es zeigt sie vom Mund bis zum Anus, also das Einverleiben und Ausscheiden.“
Von was? frage ich nicht.
Es sei immer so, dass sie so arbeite. Sie arbeite mit dem Körper. Sie arbeite mit ihrem eigenen Körper und den Körpersäften und dem Einverleiben und dem Ausscheiden und das sei ihr wichtig. Das Körperliche.
Aha.
Die Fachfrau hatte ihre Sprache der Gruppe angepasst. Hinter mir fragt ein Mann einen anderen, wie viel Zeit man für die Produktion eines solchen Videos brauche. Der andere murrt. Die Gruppe geht weiter. Ich bleibe zurück, schaue noch einmal genauer hin, auf die nackte Weiterlesen …

Es ist letztlich nicht klar, ob wir uns alles nur einbilden, oder ob nur ich es bin, die sich all das einbildet. - EINE KURZE GESCHICHTE

Herbert hält mir wortlos die Tür auf. Ich lächle. Er wirft den Kopf in den Nacken. Ich ziehe meinen Rollkoffer über die Schwelle, während er durch den dunklen Korridor zum Fahrstuhl eilt und auf den rot leuchtenden Knopf drückt. Schon schieben sich die Metallflügel auseinander. Ich bleibe vor dem hellen Fahrstuhlraum stehen. Er öffnet seine linke Hand und schiebt mich mit seinem rechten Arm schon mal virtuell in den Fahrstuhl. Ich verstehe und schiebe mich dann selber durch die schon schließenden Türflügel. Dratsch. Noch einmal gehen sie auf. Wir sind drin. Ich mit ihm alleine.Weiterlesen …

Ich kannte ihn kaum, bis mir vor ein paar Jahren ein Mann von seinen Bildern erzählte. - EIN BERICHT von einem Kinobesuch.

Spanien. Revolutionen und Kriege in Europa. Ein Mann hatte mir von seinen Bildern erzählt. Vom Fleisch, der nackten Haut, der Lust. Er tat es mit einem dunklen Schatten hinter der Stirnwand, vor weißen, im Sommerwind wehenden Gardinen, einem Leuchten in seinen bleichen Augen und einem Lachen, das bis zu seinen haarigen Ohren reichte. Goya!
So ging ich also letzten Mittwoch hier an der Riviera Adriatica ins Kino Politeama und stellte mich in die italienische Reihe hinter der Kasse. Es war halb sieben. Der Film begann um halb sieben. Weiterlesen …

Heute ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Heute meldet ein Nachrichtenbericht: Griechenland soll aus dem Schengenraum ausgeschlossen werden, weil das Land die europäischen Grenzen absichtlich nicht genügend sichere. - EIN GEDANKENGANG

Als ich vor mehr als zehn Jahren in Portopalo di Capo Passero auf Sizilien war, sagte mir ein Mann, er habe seinen Beruf an den Nagel gehängt. Zu viele Tote. Zu viele falsche Gesetze. Damals galt in Italien vorübergehend ein Gesetz, dass Schiffbrüchige nicht gerettet werden dürfen. Der Mann war Fischer.

Als Blocher noch im Bundesrat war, habe ich ihm aus einem damals aktuellen Anlass (irgendeine SVP-Hetze, ich erinnere mich leider nicht mehr genau) einen Brief geschrieben. Ich bat ihn, sein Maß menschlich und umsichtig zu bestimmen und nicht nach den schmalen Einheiten, die den Anhängern seiner Organisation gefallen, welche ohne Zweifel durch ihre Leben schreiten.Weiterlesen …