"Der Fisch in uns" von Neil Shubin sorgt seit bald zehn Jahren für kurze, wiederkehrende Unruhen in unserem Dasein. Doch wir müssen uns - angesichts der ansteigenden Meeresspiegel - mit der Vorstellung auseinandersetzen, wieder das zu werden was wir einmal waren. Eine ANWEISUNG mit AUFRUF.

Die meisten Fische sind kleiner als Sie. Sie haben keinen Grund, darüber nachzudenken? Das ist falsch. Denken Sie einmal darüber nach und Sie werden zugeben, dass der Meeresspiegel pausenlos ansteigt. So Sachen sind messbar.
Falls Sie also einmal in Ihrem Leben – auch grundlos – ein (großer) Fisch zu sein wünschen, dann beachten Sie die folgenden Anweisungen:
Achten Sie zunächst darauf, dass Ihre Zeichnung das ganze Blatt ausfüllt. So werden Sie groß und schön.
Klappen Sie nun bitte zuerst hemmungslos, doch vor allem zu den Zeiten, wo die noch größeren Fische schlafen, Ihren Unterkiefer auf und zu. Schließen Sie dazu Ihre Augen und klappen Sie leise, damit es nicht auffällt, doch besser ein paar Mal, damit Sie es wirklich fühlen können.

Dann stellen Sie sich vor, dass Sie sich zeichnen würden. Wo würden Sie anfangen? In einem Ratgeber über Malerei fand ich einen Hinweis. Der Verfasser rät, bei einem Selbstbildnis immer mit den Beinen anzufangen.
Jetzt hat nicht jeder Fisch Beine, sagen Sie zu Recht. Aber doch eine Schwanzflosse. Beginnen Sie also bei der Schwanzflosse und arbeiten Sie sich dann vor zu Bauch und hinten zu Rücken.

Sind Sie schon so weit?

Jetzt machen wir uns ans Auge. Am Einfachsten, so rät wiederum der Verfasser des Ratgebers, dürfte ein schönes Auge gelingen, wenn Sie damit in der Mitte des Gesichts beginnen. Nein, es ist nicht die Nase, die in die Mitte des Gesichts gehört, es sind die Augen, bitte zeichnen Sie beide auf gleicher Höhe. Nun ist – Sie haben es bereits bemerkt – die Mitte des Gesichts bei einem Fisch auf der einen Seite platt und auf der anderen Seite ebenso. Man schaut sich als Fisch selten von vorne an. Aber Sie sind selbstverständlich frei in der Wahl Ihrer Perspektive.
Also, falls Sie Ihr Auge als Fisch zeichnen wollen, pardon, als großer Fisch, dann geschieht das am besten an folgender Stelle: Wenn Sie – vorausgesetzt Sie zeichnen Ihr Abbild auf der Breitseite liegend, andernfalls müsste ich mir das richtige Vorgehen noch einmal überlegen – vom Rücken her kommen und dann unterhalb der möglicherweise steilen Stirn zum Fischmund gelangen, dann befinden Sie sich im idealen Bereich. Setzen Sie jetzt Ihren Stift oberhalb der Kiemen an, denn ungefähr da liegt es, das Auge. Rund um die Kiemen malen Sie die Schuppen; das ist ganz einfach. In der Farbwahl sind Sie selbstverständlich ebenfalls frei.

Vielleicht jetzt grad noch die andere Seite … Et voilà: Schon sind Sie ein grosser Fisch!
… und könnten jetzt die kleinen Fische fressen und später vielleicht bei einem noch größeren Fisch arbeiten und wenn Sie gut aussehen und vielleicht auch reich werden, dann will man Sie überall sehen, im Sommer am Strand und im Winter vielleicht in den Bergen. Falls das alles nicht gelingt, dann können Sie sich noch immer jederzeit einfach vorstellen, ein großer Fisch zu sein. Klappen Sie also Ihren Unterkiefer – wie eingangs erwähnt – möglichst unverkrampft auf und zu und auf und zu und auf und zu und auf und zu…

Einmal könnt es soweit sein, dass wir wieder im Wasser leben müssen. Eine so harmlose Transformationsübung, wie sich selbst als Fisch zu zeichnen, kann also nur helfen, den Gedanken an einen neuen Naturzustand zu trainieren. Oder wären Sie lieber ein anderes Tier, das unter Wasser lebt?

AUFRUF
Wer schenkt mir seine Zeichnung? Ich sammle Zeichnungen von Fischen, die Dich/Sie darstellen. Die Aufgabe ist nur bei längerem Nachdenken schwierig. Eigentlich wissen wir ja alle, welcher Fisch (oder welches Tier im Meer) wir dereinst gerne sein würden. Mit den Zeichnungen publiziere ich ein Zukunftsalbum.
Für Fragen und Einsendungen bis Ende 2018: box@sibylleciarloni.com.

Das Beitragsbild ist von Beat Roth, Basel.

MONOLOG einer Zuschauerin. Mitgehört.

„Literatur ist so anstrengend. Am furchtbarsten ist es, wenn die Vorleserin, der Vorleser, nuschelt. Die Geräusche, die das Umdrehen oder Weglegen der Blätter machen, gehen ja noch. Das kommt oft vor. Ich habe aber auch selten gute Stimmen gehört. Nur Schauspieler können richtig gut lesen, wobei man auch da aufpassen muss, dass man alles mitbekommt, wenn sie einen ablenken mit Gesten und hochgezogenen Augenbrauen. Oder mit diesem wissenden Lächeln in den Mundwinkeln, Weiterlesen …

Ein Kind verändert während des Spiels die Spielregeln. Das ist normal bei Kindern. Meglio ridere che piangere, no? EINE ausschweifende BEOBACHTUNG mit 7 oder 8 rhetorischen Fragen, teilweise sogar in Klammern.

Ein blonder, für sein Alter schon recht großer Bub spielt in einem weißen Haus mit Kugelschreibern. Für Tinte hat er keine Zeit und Farbstifte hat er keine mehr. Die hat er im Garten vergraben. Der Bub spielt nur mit Schreibzeug. Und manchmal mit einem dunkelblonden Mädchen. Es hat ein Gesicht wie ein hübsches Alien. Aber es ist kein Alien und eigentlich will es nicht bei allen Spielen des Buben mitmachen. Es muss nur manchmal. Dann geht es auch barfuß, wenn Weiterlesen …

Der Kanzlei für Basisgekipptes entschlüpfen im kommenden Jahr täglich neue Gedenktage. Das hat damit zu tun, dass die Autorin Joanna Lisiak und ich mindestens 365x nachdachten, diskutierten und entschieden.

Wir meinen, die Menschen sollten auch anderer Dinge und Zustände gedenken als nur zweckvoller, ohne damit sagen zu wollen, dass unser „Tag der Warteschlange“ bedeutender wäre als der Tag der Menschenrechte!
Wir twittern vom 1.1.2017 bis zum 31.12.2017 und freuen wir uns über Follower.
https://twitter.com/basisgekipptes

Ein assoziativer Wörterturm zu Rhythmus und Wiederholung.

Bold from Sibylle Ciarloni on Vimeo.

Lied vier.
Lied neun.
Lied vier.
Lied neun.
Tintenstrahldrucker.
Plusquamperfekt.
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Bold Installation von Sibylle Ciarloni (txt) und Matthias Gubler (mov). Zum ersten Mal gezeigt am Taktung Festival in Zürich 2015.

Im Wortsinn verrückt sind die Grenzen. It’s a wild world! UN OSSERVAZIONE

Ich sang schon Englisch, als ich noch kein Englisch verstand. Ich sang AC/DC Lieder mit und Sarah, eine Freundin, bewunderte mich für meine Englischkenntnisse. Das wusste ich nicht bis zu einem Klassentreffen vor ein paar Jahren. Und nein, ich wusste auch nicht, was ich da singe. Weiterlesen …