Komplizen - Das Projekt bewegt sich zwischen kollaborativem Arbeiten und kooperativem Austausch in heterogenen Feldern und stellt einen temporären Ort für Dialog und Zusammenarbeit innerhalb einer experimentellen Plattform her. Unterschiedlichste Motive für Ausdrucksformen und Grenzen von Zusammenarbeit werden erforscht, ausgelotet und präsentiert.

Zur Finissage von KOMPLIZEN in der TART Galerie in Zürich intervenieren am 14. Oktober 2017 ab 18 Uhr Bettina Diel und Sibylle Ciarloni.

Ausstellung vom 22.9.-14.10.2017 in der TART Galerie in Zürich, Gotthardstraße 54. Vernissage am 22.9.2017 um 18 Uhr mit Melanie Büchel und Eugen Fulterer.

Komplizen. Wer sind sie? Vertraute, Mitläufer, Partner? Legt die Komplizenschaft ihr Schattendasein tatsächlich zusehends ab? Oder legitimieren sich die Opportunisten? Die Ausstellungsmacher: „Im Verlauf der letzten Jahrzehnte lässt sich ein mehr und mehr legitimiertes Komplizentum beobachten – Vernetzung baut sichtbare und unsichtbare Brücken zwischen Orten, Menschen und Potentialen. Ist diese Vernetzung ein nicht enden wollender Zeitgeist, eine unabdingbare Haltung auf dem Weg zu erfolgreichen Vorhaben? Oder ist sie einfach nur die gelebte Erkenntnis, dass Kooperation grösstmögliche evolutive Momente schafft?“

Nach dem Beginn des Ausstellungsprojektes Komplizen, welches zwischen Juni und August 2017 im Kunstraum Engländerbau in Vaduz stattgefunden hat, wandert dieser Organismus nach Zürich, um mit der TART Zürich einen zweiten Ausstellungsort zu bespielen. Neben ausgesuchten Positionen die bereits im Kunstraum Engländerbau eine Arbeit realisiert haben, werden auch neue Positionen aus Liechtenstein und der Schweiz in der Ausstellung in Zürich vertreten sein. Ich bin von der Künstlerin Bettina Diel angefragt worden, ihre Komplizin zu werden. Daraus entstand ein Briefwechsel, der auslotet, was nicht dingfest gemacht werden kann. Freundschaft, Liebe, Geschäftsbeziehung, Komplizenschaft, Begegnung, das Dasein.

Unser Werk: Annäherung.

Als Hörstück am 27. September 2017 um 21 Uhr auf Kanal K.

Es gibt so eine Idee, sich vorzustellen, dass die Welt in Ordnung zu bringen sei. In dem Stück werden diese Vorstellungen miteinander vermengt. Der Blick drängt an den Horizont und durch die Bewegungen der Figuren und das Verschieben von Grenzen und Zeiten gelingen vielleicht Annäherungen. Weltatlas – Ein verlorener Gedanke ist ein gelesenes Stück über das Aufräumen von Dingen die Welt betreffend. Erzählt wird von den Umwegen des Atlaskindes, vom Verzweifeln des Kartografen und von der Frau, die unter anderem für Farben zuständig ist. 
Gesprochener Text. Ordnungsgeräusche zur Verunsicherung. Ideen zum Weiterspinnen. Zollpapiere zur Identifikation. All das + vom Himmel und vom Meer und von der Naht, die die Welt zusammenhält. Eine Zimmerpflanze beschützt die Arbeitsatmosphäre und spendet Natur. Und auch sie sagt etwas.

Die Produktion des Stücks wird gefördert von der SRKS – Stiftung für Radio und Kultur Schweiz. Die Veranstaltungen (2015-2017, in Zusammenarbeit mit Silja Dietiker) wurden von der Stadt Baden und vom Kuratorium des Kantons Aargau unterstützt.

Idee, Text und Töne: Sibylle Ciarloni
Koproduzenten: Radio Kanal K, Mr. Bob Production.
Stimmen: Alice Sager, Carsten Nemitz, Sibylle Ciarloni, Geräte und Dinge.

HINWEIS Als Side Event zur Art in Basel, zeige ich während fünf Tagen und Nächten ein Hörstück auf Soundcloud. Danach reist es an Festivals und zu einer Ausstellung. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es wieder auf Soundcloud hörbar sein.

Der Meeressaum ist ein Übergang. Er ist von Bedeutung – sowohl für die Literatur wie auch für die Fische, die wir einst waren; für das Atmen und das Nichtmehratmen oder schlicht unseren Sommerurlaub, diese Tage des Nichtstuns am Übergang zum Schoß der Menschheit oder in die sauerstoffliche Welt. Je nachdem woher man kommt oder wohin man geht.
Der Meeresspiegel steigt, die Landkarten verändern sich. 2015 las man zum Beispiel von Tuvalu, wo die Bevölkerung fünf Meter über Meer lebt. Der Inselstaat habe vorsorglich in Australien und Neuseeland um Asyl gebeten. Australien und Neuseeland haben vorsorglich abgelehnt. Für die Menschen am Meer bedeutet der Anstieg Landverlust, für die Urlauber Strandverlust.

In dem Hörstück Seaside Soundmap collagiere ich Momentaufnahmen von Orten nahe einem Meeresufer. Für die Arbeit hatte ich verschiedene Kollaborateure und Kollaborateurinnen. Sie haben mir ihre Aufnahmen geschickt, die sie für meine Absicht mit ihren Handys gemacht haben. Ich habe sie meinen Aufnahmen hinzugefügt.

Seaside Soundmap ist eine dichte Ton-Collage, zusammengestellt aus Schönheiten, die Menschen nahe dem Meer tun oder bauen. Seaside Soundmap ist gleichzeitig ein Tonraum, um über Veränderungen an den Übergängen nachzudenken. Und schließlich kann Seaside Soundmap ein Ruf sein, gerichtet an jene, die die Tatsache leugnen und an jene, die bei vollem Bewusstsein immer gleich weitermachen.

UPDATE vom 20. Juni 2017: Seaside Soundmap war hier hörbar vom 14. bis zum 19.6.2017. Jetzt reist die Collage weiter an Festivals und zu einer Ausstellung. Danke fürs Hören.

Orte:
Istanbul
Lipari Italia
Marseille France
Neuseeland Westküste
Nizza France
Zadar Kroatien
Senigallia Italia
Raja Ampat Archipel Indonesien
Seychellen
Valencia Spanien
Ponte Sasso Italia
Barcelona Spanien
Salento Italia
Dahab Ägypten
Fano Italia

Mitwirkende:
Franziska Weber
Michael Berger
Zoran Zekanovic
Beat Roth
Erich de Boni
Cornelia Faist
Sibylle Ciarloni

Ein großes Dankeschön an alle Mitwirkenden!

Die Arbeit entstand zwischen 2014 und 2017, die ersten noch unbewussten Aufnahmen habe ich im Mai 2006 in Istanbul gemacht.

Weiterführende Plattformen, Filme und Artikel

So viel zu Venedig und über das MO.S.E-Projekt.

Städte am Meer wie z.B. Miami handeln unabhängig vom Staat, weil sie pragmatisch sein müssen – während der Mann in Washington die Klimaerwärmung leugnet und sich loben lässt.

Stewart Brand – about langfristig denken. Vom Macher des Whole Earth Catalogue lernen.

Leonardo di Caprio – führt im Dokumentarfilm „Before the Flood“ Gespräche und ermahnt die Politik.

Inspirationsquellen
Film „Beasts of the Southern Wild“ von Benh Zeitlin.
Zeitschrift der Meere – mare, erscheint in Hamburg
Klimakapseln Ausstellung und Buch – Friedrich von Borries
Fast nichts Nr. 1, Tagesanbruch an der Küste – 1967 21 Min. Hörstück – Luc Ferrari

HINWEIS Rezension

Bild: Sieglinde Geisel

Die tell-review, das Online Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft, hat meinen Essay „Philosoph für einen Tag“ über die Zusammenarbeit von David Siepert und Stefan Baltensperger mit Tagelöhnern in China publiziert. Das Buch mit dem Titel „Invisible Philosophy“ erschien im Februar im Zürcher Amsel Verlag. Sprachen: Handschrift + Mandarin + Englisch. Erhältlich ist das Werk im Buchhandel und direkt bei den Künstlern.

"Der Fisch in uns" von Neil Shubin sorgt seit bald zehn Jahren für kurze, wiederkehrende Unruhen in unserem Dasein. Doch wir müssen uns - angesichts der ansteigenden Meeresspiegel - mit der Vorstellung auseinandersetzen, wieder das zu werden was wir einmal waren. Eine ANWEISUNG mit AUFRUF.

Die meisten Fische sind kleiner als Sie.
Falls Sie also einmal in Ihrem Leben grundlos oder absichtlich ein großer Fisch zu sein wünschen, dann beachten Sie die folgenden Anweisungen zur Transformationsübung auf Papier:
Achten Sie zunächst darauf, dass Ihre Zeichnung das ganze Blatt ausfüllt. So können Sie erst groß – und meinetwegen gerne auch schön – werden.
Klappen Sie nun bitte zuerst hemmungslos, doch vor allem zu den Zeiten, wo die noch größeren Fische schlafen, Ihren Unterkiefer auf und zu. Schließen Sie dazu Ihre Augen und klappen Sie leise, damit es nicht auffällt, doch besser ein paar Mal, damit Sie es wirklich fühlen können.

Danach stellen Sie sich vor, dass Sie sich zeichnen würden. Wo würden Sie anfangen? In einem Ratgeber über Malerei fand ich einen Hinweis. Der Verfasser rät, bei einem Selbstbildnis immer mit den Beinen anzufangen.
Jetzt hat nicht jeder Fisch Beine, sagen Sie zu Recht. Aber doch eine Schwanzflosse. Beginnen Sie also bei der Schwanzflosse und arbeiten Sie sich dann vor zu Bauch und hinten zu Rücken.

Sind Sie schon so weit?

Jetzt machen wir uns ans Auge. Am Einfachsten, so rät wiederum der Verfasser des Ratgebers, dürfte ein schönes Auge gelingen, wenn Sie damit in der Mitte des Gesichts beginnen. Nein, es ist nicht die Nase, die in die Mitte des Gesichts gehört, es sind die Augen, bitte beide auf gleicher Höhe und auf der Breitseite liegend.
Nun ist – Sie haben es bereits bemerkt – die Mitte des Gesichts bei einem Fisch auf der einen Seite platt und auf der anderen Seite ebenso. Man schaut sich als Fisch selten von vorne an.
Also, falls Sie Ihr Auge als Fisch zeichnen wollen, pardon, als großer Fisch, dann passiert das am besten an folgender Stelle: Wenn Sie vom Rücken her kommen und dann unterhalb der möglicherweise steilen Stirn zum Fischmund gelangen, dann befinden Sie sich im idealen Bereich. Setzen Sie jetzt Ihren Bleistift oder Pinsel oberhalb der Kiemen an, denn ungefähr da liegt es, das Auge. Rund um die Kiemen malen Sie die Schuppen; das ist ganz einfach. In der Farbwahl sind Sie selbstverständlich frei.

Vielleicht jetzt grad noch die andere Seite.

Et voilà: Schon sind Sie ein großer Fisch!
… und könnten jetzt die kleinen Fische fressen und später vielleicht bei einem noch größeren Fisch arbeiten und wenn Sie gut aussehen und vielleicht auch reich sind oder werden, dann will man Sie überall sehen, im Sommer am Strand und im Winter vielleicht in St. Moritz. Und werden Sie tatsächlich – warum auch immer – interessant, dann wird man sich in hundert Jahren noch an Sie erinnern.

Falls das alles nicht gelingt, dann können Sie sich noch immer jederzeit einfach vorstellen, ein großer Fisch zu sein. Tun Sie es für Ihre Nachfahren und die ganze Zivilisation. Damit es ein Vorausdenken gibt, für welches spätere Menschen uns einmal dankbar sein werden. Dazu klappen Sie Ihren Unterkiefer – wie eingangs erwähnt – möglichst unverkrampft auf und zu und auf und zu und auf und zu und auf und zu…

AUFRUF
Wer schenkt mir seine Zeichnung? Ich sammle Zeichnungen von Fischen, die Dich/Sie darstellen. Mit ihnen will ich ein Inspirationsbuch veröffentlichen. Die Aufgabe ist nur bei längerem Nachdenken schwierig. Eigentlich wissen wir alle, welcher Fisch (oder welches Tier im Meer) wir dereinst sein würden.
Für Fragen und Einsendungen bis Ende 2017: box@sibylleciarloni.com.

Zur Einführung in das Thema hilft fast sicher auch diese Geschichte vom Meeresgrund auf Soundcloud.

Das Beitragsbild ist von Beat Roth, Basel.

MONOLOG einer Zuschauerin. Mitgehört.

„Literatur ist so anstrengend. Am furchtbarsten ist es, wenn die Vorleserin, der Vorleser, nuschelt. Die Geräusche, die das Umdrehen oder Weglegen der Blätter machen, gehen ja noch. Das kommt oft vor. Ich habe aber auch selten gute Stimmen gehört. Nur Schauspieler können richtig gut lesen, wobei man auch da aufpassen muss, dass man alles mitbekommt, wenn sie einen ablenken mit Gesten und hochgezogenen Augenbrauen. Oder mit diesem wissenden Lächeln in den Mundwinkeln, Weiterlesen …

Ein Kind verändert während des Spiels die Spielregeln. Das ist normal bei Kindern. Meglio ridere che piangere, no? EINE ausschweifende BEOBACHTUNG mit 7 oder 8 rhetorischen Fragen, teilweise sogar in Klammern.

Ein blonder, für sein Alter schon recht großer Bub spielt in einem weißen Haus mit Kugelschreibern. Für Tinte hat er keine Zeit und Farbstifte hat er keine mehr. Die hat er im Garten vergraben. Der Bub spielt nur mit Schreibzeug. Und manchmal mit einem dunkelblonden Mädchen. Es hat ein Gesicht wie ein hübsches Alien. Aber es ist kein Alien und eigentlich will es nicht bei allen Spielen des Buben mitmachen. Es muss nur manchmal. Dann geht es auch barfuß, wenn Weiterlesen …

Der Kanzlei für Basisgekipptes entschlüpfen im kommenden Jahr täglich neue Gedenktage. Das hat damit zu tun, dass die Autorin Joanna Lisiak und ich mindestens 365x nachdachten, diskutierten und entschieden.

Wir meinen, die Menschen sollten auch anderer Dinge und Zustände gedenken als nur zweckvoller, ohne damit sagen zu wollen, dass unser „Tag der Warteschlange“ bedeutender wäre als der Tag der Menschenrechte!
Wir twittern vom 1.1.2017 bis zum 31.12.2017 und freuen wir uns über Follower.
https://twitter.com/basisgekipptes