Über das Innere eines Buches, eine Fluchtidee und die Spurensuche in einem Bild, das sich selbst enthält, sich selbst enthält, sich selbst enthält und doch immer wieder ein bisschen anders zeigt.

Was alles in ein Buch kommt ist planbar. Nicht aber, was dann aus dem Buch herauskommt. Wie wird es gelesen, wie wird es verstanden? Das kann man sich vorstellen, aber nicht wissen. Meine Lektorin sagte also, während wir an einem runden Tisch besprachen, ob man denn das alles verstehen könne was da in das Buch kommen werde, vielleicht musst du zu der Transformationsgeschichte etwas sagen, vielleicht in einem Vorwort. Man könne sich das so gar nicht vorstellen, sagte sie vielleicht oder ich meine, sie in meiner Erinnerung das sagen zu hören.
Nicht dass ich an ihrer Intelligenz zweifelte, ich musste zugeben, dass die Geschichte, die meinem Buch den Titel gegeben hat, futuristisch und ja, auch gar arg unter Wasser stattfindet.

Also begann ich, das Vorwort zu schreiben und ich nahm eine Anweisung zur Hand, die ich vor zehn Jahren schon geschrieben habe. Es ist die Anweisung „wie man sich selbst als Fisch zeichnet“.

Vor zehn Jahren und auch schon als ich ein Kind war, und das ist länger als zehn Jahre her, redete man vom Klima und dass man es schützen wolle. Man redete und redete und auch in den Jahren danach redete man. Aber wie die katholische Kirche übergriffigen Priestern abgelegene Gemeinden zuwies, verwies man das Thema Klima immer wieder auf die letzten Traktandenplätze, zusätzlich auch noch dessen Wahrheitsgehalt anzweifelnd. Folgen davon sind heute noch Kinder, die schon lange keine Kinder mehr sind und nach wie vor keine Hoffnung auf Konsequenzen entwickeln können. Folgen davon sind Menschen, die ihre Orte verlassen und denen Volksparteiler und andere Menschen vorwerfen, sie würden von nun an systematisch die nördlichen Sozialsysteme aushöhlen. Dahinter stehe nämlich ein Plan. Oder der Vatikan?

Was soll ich tun? Fragte ich mich und andere. Was sollen wir tun? Ach, wen interessiert das jetzt, wenn nachher der Sport kommt? Sagten die anderen.
Ich begann, mir Fluchtwege auszudenken. Fluchtwege für meinen armen Kopf. Übrigens war auch mein Herz beteiligt an diesen verzweifelten Drehmomenten, denn ohne Körper geht Denken nicht. Da widersprechen mir nun vielleicht die Algorithmengläubigen. Sollen sie.

Mein Fluchtweg führte über alle Steine zurück in die Vor-Evolution, so es denn eine solche gegeben haben kann. Aber für die Zeit damals, die noch ohne Denkstrukturen – falls es nicht tatsächlich doch einen bewusst wirkenden Gott gegeben haben sollte, was ich hier in Gedankenstrichen nicht ausklammere, doch ebenso weit von mir wegschiebe wie siehe oben – auskamen, gab es Wesen im Wasser. Wasserwesen. Deren Naturzustand war einfach. Er war schlicht seiend. Für eine lange Zeit. Wie die Kollegen Mollusken schielten alle anderen, auch die Kollegen Schwämme wohl, gleich dumm, was nicht wertend gemeint ist, in den Himmel, Richtung Licht. Die Wasserwesen wurden mit der Zeit zu Fischen. Und nun abgekürzt: Aus den Fischen formten sich neue Wesen, neue Wesen, neue Wesen – wie ein mise en abyme, aber nur fast, denn etwas veränderte sich langsam, langsam aber sicher und der Mensch entstand und er glich bald nicht mehr einem Fisch, sondern eher schon sich selbst.

Mein Fluchtweg führte mich also zu jenem Übergang von Fischsein zu Menschsein Ich stellte mir vor, wir entwickeln uns zum Fisch zurück. Wir könnten sogar Fisch werden wollen. Oder müssen (für jene, die von außen eine Motivation brauchen). Es wird uns nützlich sein, ein Fisch zu werden oder ein anderes Tier, das im Wasser lebt. Um die steigenden Meeresspiegel weiterhin zu übersehen und über die Mauern, die Regierungen hochziehen, schwimmen zu können.

Zunächst geht es nun aber in der jetzigen Welt darum, sich das überhaupt vorzustellen. Und was ist heute weiser als ein Plan, eine Zeichnung, um eine Vorstellung sichtbar zu machen? Und so kam es, dass ich vor rund zehn Jahren eine Anweisung darüber schrieb, wie man sich selbst als Fisch zeichnet. Eine Art Transformationsübung. Aber auch eine Flucht. Eine machbare Flucht für den Kopf. Denn wer hat nicht schon daran gedacht, ein Anderer / eine Andere zu sein. Warum sollte man sich dann nicht gleich auch nützlich verwandeln? Und warum nicht in einen Fisch, groß und schön meinetwegen?
Die Anweisung wurde zwar publiziert, doch sie hat den Durchbruch bis heute nicht geschafft.

Ein paar Jahre später schrieb ich die Erzählung über die beiden sich zu im Wasser lebenden Wesen transformierenden Menschen „Bernstein und Valencia“.
Und all die Jahre zuvor und danach habe ich noch andere Erzählungen geschrieben.
Jetzt sind viele davon in dem Buch mit dem Titel der Geschichte der beiden sich Transformierenden und Vorwort und Nachwort umranken alle Geschichten wie einen Kranz. In ihn flocht ich auch jene Anweisung. Die Anweisung „wie man sich selbst als Fisch zeichnet“.

Ob ich mit meinen Erklärungen zu jener futuristischen Geschichte tatsächlich zu deren Verständnis beitragen kann, weiß ich nun nicht. Ich habe mich bemüht, deutlich zu sein. Wer will, kann üben oder den Gedanken für die nächste Generation liegenlassen. Ich werde immer wieder darauf zurückkommen.

11. November 2018 um 11.00 Uhr
Matinée an der Buch Berg Brig – mit Stephan Rossi
Autor und Fotograf von Le scale della Val Bavona
Ich lese aus Il Fondo del Sacco von Plinio Martini

Winter 2018 und Frühjahr 2019
Lesung&Ton aus «Bernstein und Valencia» Stories

in Zusammenarbeit mit Rahel Kraft
Daten werden so bald bekannt hier veröffentlicht.

INFORMATIONEN, Bios, Bilder über Lesung&Ton in Zusammenarbeit mit Rahel Kraft. Lesung aus Bernstein und Valencia, Stories: Alles in Ordnung + Evelyn oder Tod eines Törtchens. Wie man sich selbst als Fisch zeichnet. – Kraft Ciarloni experimental, unterhaltsam, chaotisch, durchdacht, sentimental auch, manchmal lustig.

13. Dezember 2018 ab 18 Uhr
Vernissage in der TART Galerie, Zürich

A LINE IS A DOT THAT WENT FOR A WALK
als Teil der Instant Art Formation Erika Schick Bonnet (CH/I)

Projektbeschrieb

Alles in Ordnung
Lesung & Ton
mit Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft

/
Ein kurzes Spektakel mit Umgebungsarbeiten außerhalb von Worttürmen und in den Spiegelungen einzelner Passagen, durch Raum und Traum sich hinziehend. Sorgfältig und bei vollem Bewusstsein über das Komplexe beim Abschweifen wirken Rahel Kraft (Stimme und Tondichtung) und Sibylle Ciarloni (Lesestimme und simple Drehmomente) zusammen. Die Texte stammen aus dem Erzählband „Bernstein und Valencia“ von Sibylle Ciarloni.

Hintergrund:
Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft haben die Lesung&Ton entwickelt. Teils synchron, teils einander begleitend, sprechen und vertonen sie drei Geschichten. „Bernstein und Valencia“ ist 2018 erschienen. Darin 22 Stories von Nahsein bis Wegrennen. Die Geschichten sind in jenem Spiel zwischen Nähe und Distanz, Existenz und Transformation angesiedelt. Grotesken spielen mit offensichtlich versteckten, in der Realität wurzelnden Tatsachen. Lesung&Ton ist eine Mischung aus Performance und Lesung, wo Räume Falltüren haben, sich Häuser in Irrgärten verwandeln und wir uns dann auch noch alle in einen Fisch verwandeln. Sibylle Ciarloni belebt allerlei Kreaturen mit ihrer tiefen, ruhigen Stimme. Rahel Kraft erschafft mit Sampling, Geräten und Stimmklängen die vierte Dimension.
Kennengelernt haben sich die beiden Künstlerinnen beim Einsteigen in einen Hotelkomplex im Rauschen des Inns am Grenzgang zum Gemeinschaftskühlschrank im Zentrum für Gegenwartskunst im Engadin. Eine Zigarette, zwei Zigaretten weiter beschlossen sie die Zusammenarbeit noch im harten Bündner Winter bei 1 Meter 20 Schnee.

Audio Live Mitschnitt „Alles in Ordnung“

Audio Live Mitschnitt „Evelyn“

Video Live Mitschnitt „Wie man sich selbst als Fisch zeichnet“

Rahel Kraft
Lebt in Wien und Zürich. Als Sängerin, Klangkünstlerin und Performerin ist sie in verschiedenen Projekten aktiv. Ihr künstlerisches Schaffen bewegt sich zwischen moderner Komposition, Installation, Improvisation und Performance, oft unter Einbeziehung von Raum, kollektiven Prozessen und Zuhören. Mit einem Background in freier Improvisation, Jazz und einem ausgeprägten Interesse für Musiktechnologie erschafft sie interdisziplinäre Klangarbeiten. 2016 schloss sie an der University of the Arts London den Master in Sound Arts mit Auszeichnung ab. 2010 erhielt sie den Master in Jazzgesang und Musikpädagogik von der Hochschule Luzern – Musik.
Kraft arbeitet als Vokalistin u.a. mit David Toop, Korhan Erel, Luca Sisera oder Urban Lienert und initiierte und leitete verschiedene Projekte mit dem Luzerner Stimmorchester. Mit der Schlagzeugerin Valeria Zangger erschafft sie seit fast einem Jahrzehnt eigenwillige Popmusik unter dem Namen 2henning. In ihrem aktuellen Gemeinschaftsprojekt mit der japanischen Klangkünstlerin Tomoko Hojo erforscht sie intime, versteckte Klänge in verschiedenen Regionen. Daraus entstehen Klanginstallationen, Audiowalks und Performances. Rahel Kraft wurde mit mehreren Werkbeiträgen und Preisen ausgezeichnet, aktuell am Zentrum für Medienkünste Karlsruhe zur Entwicklung eines Sound Walks mit Tomoko Hojo.
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Sibylle Ciarloni
Lebt an der Adria in San Costanzo und in Baden. Sie schreibt Erzählungen, Sprechtexte und Essays. Nach Verwaltungslehre und verschiedenen Aufenthalten im Ausland hat sie sich zunächst in Marketing, dann in Reportage und Feature, später in Philosophie, Sprache und Stimme weitergebildet.
Ciarloni ist Autorin der beiden Bücher „Strandläufer, lungomare“ und „Bernstein und Valencia“, Macherin von mehreren Live-Hörstücken, u.a. in Zusammenarbeit mit Manja Präkels (Co-Autorin, Musik) und Silja Dietiker (Video Archive, bewegtes Bild). Das Stück „Weltatlas – Ein verlorener Gedanke“ zeigte sie zwischen 2015 und 2017 in der Schweiz und in Deutschland an verschiedenen Orten. Zwischen 2003 und 2008 produzierte sie das Literaturprogramm „Auf hoher See“ auf Radio Kanal K mit eigenen Texten und jenen von Gastautorinnen und -autoren. Zwischen 2007 und 2010 führte sie den Salon Billa in Baden, Werkstatt und Veranstaltungsraum für Literatur, Musica, Arte.
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Dauer:
60 – 65 Minuten

Technik Anforderungen:
Wenn möglich, sonst bringen wir sie selber mit:
2 Boxen
2 Mikrofone
1 Mischpult mit 3 Eingängen
1 Lesetisch ca. 2 m breit
2 Leselichter

Ciarloni und Kraft am Lesetisch im Trudelkeller Baden

Printfähige Bilder bekommen Sie via Mail/Wetransfer.
Schreiben Sie auf anfragen@sibylleciarloni.com.

Ein schöner Abend mit viel Besuch und draußen schön warm. 20. September 2018. Wir danken allen, die kamen. Hier ein Bild mit einem dazwischenunswuchernden Schmauchpilz. Gelesen haben wir zwei Geschichten und eine Anweisung aus dem neu erschienen Band: Bernstein und Valencia.
Im Bild: Sibylle Ciarloni und Rahel Kraft
Bild: Bettina Diel – Bearbeitung: Rahel Kraft

Zweiundzwanzig Erzählungen von Nahsein bis Wegrennen erscheinen im September unter dem Titel «Bernstein und Valencia» im Knapp Verlag. Inklusive Transformationsübung und Anhang über Wörter wie Schmauchpilze und Bülderlinge.

Unzulänglichkeiten sind all die Zustände und Tätigkeiten, die schwierig werden, wenn man sich zurückhält, weil man ahnt, weiß oder Angst hat davor, bestimmten Anforderungen nicht zu genügen. Über eigene Unzulänglichkeiten zu schreiben, ist keine einfache Aufgabe, sie ist sogar eine nahezu blöde Tätigkeit, geht es doch darum, einen Mangel, eine fehlende Schraube, eine falsch angelegte Fähigkeit im Charakter – oder sagen wir in der Psyche – zu beschreiben. Und dies obschon es bekanntlich kein Falsch und kein Richtig mehr gibt. Es ist was es ist. Wertfreie Beschreibungen sind in. Introspektion ist out, da weder sexy noch gefragt. Deshalb vielleicht tue ich es trotzdem und entdecke dabei einmal mehr, dass ich mich in Zusammenhängen sehen muss. Es ist meine Prägung, rufe ich, nein, ruft meine Schwester, wir sind nur im Jetzt*, das was war zählt nicht! Doch, rufe ich, auch das was war zählt! So streiten wir ein bisschen, mehr nicht.

 

Bleiben wir bei den Unzulänglichkeiten. Wenn ich also ehrlich sein soll und ich meine, das soll ich, so muss ich zugeben, dass auch ich gerne leicht im Jetzt herumfliegen würde und sorglos Spass, unendlichen Spass sogar, haben möchte. So plante ich also vor einigen Jahren das Ablegen aller förigen** Schweren in einem Endlager für restliche Gedanken, nichtsnutze Ängste, alte Muster und so Sachen, die unnötig unter der Haut und in den Erinnerungen schwelen und als wiederholt implodierende Schmauchpilze mal aufbegehren und schnaufen, dann wieder brav + still sind. Jedenfalls hatte ich zusammen mit einem Freund ein ernst gemeintes Projekt mit www domain usw., also Endlager punkt ch oder so was mit .org oder .net, vorgesehen. Wir hatten Stunden darüber gesprochen, waren enthusiastisch und auch überzeugt davon, dass das eine zeitgemäße Dienstleistung sein wird, um eben auch Unzulänglichkeiten zu entsorgen.

 

Aber dann reflektierten wir.

 

Nicht immer ist die Unzulänglichkeit tatsächlich eine Unzulänglichkeit. In Wirklichkeit ist eine Unzulänglichkeit nur gerade dann eine solche, wenn die Zweifeltante mit ihrer alten Tasche aus dem Brockenhaus am Arm daherkommt. Sie kann einen immer dazu bringen, es so zu sehen wie sie will.
Ganz anders tun es oft richtige Menschen. Sie glauben an einen. Menschen, die an einen glauben, sind wichtig im Leben, manchmal wichtiger als man selbst, doch ohne man selbst geht es ja auch nicht, das Leben. Das eine bedingt das andere… Eine Redakteurin sagte letzthin zu mir: Du kannst alles, du machst alles*! Ich schüttelte heftig den Kopf, denn ich schaffe ja nur einen gefühlten Viertel von dem, was ich überhaupt machen will und etwa die Hälfte von dem, was ich mir zutraue. Davon geht noch einmal ein Achtel beim Zweifeln drauf und ein weiterer Achtel geht in Träumen unter. Also alles ist das noch lange nicht, jedenfalls nicht was ich zu tun wünsche. Und von Können zu reden, ist mir aus verschiedenen Gründen zu aufwändig. Ich tue, was ich kann. Das ist subjektiv und bleibt subjektiv.

 

Endlich aber jetzt zu einem Beispiel kommend, das dieser Beitrag herausschälen will: Eine meiner Unzulänglichkeiten ist, dass ich nicht so wahnsinnig gerne, sondern nur ein bisschen, im Mittelpunkt eines Geschehens stehe. Doch in diesen Tagen erscheint ein weiteres Buch („Bernstein und Valencia“). Ich werde also zeitweise in einem Mittelpunkt stehen. Vielleicht fragt jemand von der Presse nach einem Rezensionsexemplar; das wäre ein Glück, sagen die einen.
Bald sind Vernissagen und eine Lesung&Ton in Baden, um der Stadt zu danken, die einen Beitrag an die Druckkosten gab. Dann folgt die Auslieferung an die Buchhandlungen. Ich plane eine Lesereise für den Winter 2018/2019. Vielleicht beginnt die Presse über mein neues Buch zu schreiben und es zu zerreißen oder zu loben. Ich werde gemeint sein, denn es sind meine Erzählungen, meine Stories.
Vielleicht werde ich eingeladen werden und dann nach dem Lesen noch etwas sagen müssen. Ich werde mich kurz halten wollen, weil ich das so gelernt habe. Vielleicht werde ich mich verhaspeln, vielleicht aber nicht. Ich werde etwas über die Entstehung verraten und ob eine Geschichte aus welchen Gründen wichtig für mich ist.
Vielleicht passiert aber auch gar nichts. Dann werde ich mich wundern, wozu ich all das tue, wenn es doch noch andere Dinge zu tun gibt auf der Welt, die wichtiger wären.

 

Zum Buch: Es wird ein Band sein mit 22 kurzen und längeren Erzählungen auf rund 160 Seiten und es geht immer um das Spiel zwischen Nähe und Distanz. Bei Menschen, fragt jetzt jemand mit Fragezeichen. Ja, bei Menschen. Einmal ist es sogar ein Tier und ein Mensch. Einmal ist es ein Törtchen und ein Mensch. Einmal ist es ein Junge und seine Mutter. Einer ist schon alt und sein Traum von einer Begegnung mit einem Ich ist auch in diesem Buch. Ein Mädchen haut ab mit einer Frau und zwei Frauen verdrehen einander oder einem gitarrenspielenden Vampir den Kopf. Ein Ich geht in einem Haus von Raum zu Raum und trifft auf die Frau mit zwei Hunden, den damaligen Superintendant der iranischen Meeresflotte und schließlich bricht ein Aquarium im obersten Stock und Welse gelangen in den Speisesaal. Sonst aber ist alles in Ordnung.

 

Es wird nun Zeit, dass „Bernstein und Valencia“ erscheint, dann sehe ich, wie es hinter meinen Grenzen, die ich nun überschreite, zu und hergeht. Bevor ein Buch gedruckt ist und auf den Markt kommt, ist es noch ganz meines, danach wird es ein anderes. Die Informationen über das Buch werden in diesen Tagen gestreut und ich probiere nun etwas aus, was ich vor kurzem noch nicht gewagt hätte: Ich schreibe einen Gedanken auf, der schon durchgestrichen ist. Es handelt sich um eine Bitte: Ich bitte Menschen, die im deutschsprachigen Raum jemanden kennen, dem mein Verlag oder ich das Buch schicken könnten, sich zu melden mit Name und Adresse und vielleicht auch sexuellen Vorlieben… So etwas hätte ich nie geschrieben, doch schon steht es nun hier. Und „was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden“ (Friedrich Dürrenmatt).

 

*
Was das Jetzt und das Alles sei, wären noch einmal zwei andere philosophische Diskussionen. Zum Jetzt eine Idee von Paul Takács: „Erinnerungen und Gedanken vernetzen das Jetzt mit dem Vorherigen und dem Kommenden.“

 

**
förig ist gleichbedeutend mit „übrig“. Da schon so viele Worte mit ü und u und un da standen, wählte ich ein träfes*** Wort aus meinem Dialekt. Auch weil es so schön klingt, wenn man es mit starkem f, langem ö und einem harten g am Schluss ausspricht. Das i darf übrigens leicht gehickst werden.

***

träf ist gleichbedeutend mit treffend.

 

P.S.

Mein Freund und ich haben es übrigens nicht weit gebracht mit dem endlager punkt ch oder org oder net oder so, denn wer will schon so weit denken, dass sie/er zunächst einmal Introspektion betreiben muss. Dazu noch das Punktesystem, das wir zu entwickeln hatten. Also je mehr man endgelagert hätte, desto mehr Punkte hätte man sammeln können. Wir fragten uns: Was wäre der einzulösende Gewinn? Eine Pfanne hat jede und jeder schon, Geschirr auch, Plastikbehälter und Schöpfkellen auch. Die letzte Idee war ein Tropfsystem für die Zimmerpflanze während der Ferienabwesenheit…. aber wer hat noch Zimmerpflanzen?

 

Zu den Schmauchpilzen noch diese Aufklärung:

Wer Schmauchpilze kennt, weiß was gemeint ist. Allen anderen sei hier gesagt, dass es die Wortkombination nicht gibt, doch in meinem Buch kommt sie trotzdem vor. Schmauchpilze sind ein Phänomen. Sie wachsen da, wo Dinge alleingelassen werden und modern. Sie atmen laut und stoßen dabei Rauch aus.

Man muss das Absurde suchen, sonst ist das Leben auf unheimliche Weise geordnet.

 

Wer googeln will und online kaufen:

Sibylle Ciarloni

Bernstein und Valencia

Stories

Knapp Verlag

ISBN 978-3-906311-44-9

Ab 18. September im Buchhandel.

Zwei Gästezimmer in San Costanzo
Provinz Pesaro Urbino – Italien – Europa

 

La Casa
In unserem Haus auf einem der vielen Hügel in den italienischen Marken können es sich Gäste tagelang gut gehen lassen. Nichtstun, Lesen, Lernen, Arbeiten und die Welt neu erfinden. Zwei Zimmer im Souterrain mit separatem Eingang und Bad/Bidet/Dusche zur gemeinsamen Nutzung stehen für Gäste zur Verfügung. Wir freuen uns auf Besuche von Freunden und Freunden von Freunden. Und allen -innen.

 

La Storia
Neben unserem Haus steht ein Maulbeerbaum / il moro (bot. dt. der Maulbeerbaum, engl. Mulberry Tree, frz. le mûrier). Er ist ein Morus Alba, ein Maulbeerbaum mit weißen Früchten. Rund 200 Jahre alt soll er sein. Vielleicht begann er um 1805 zu sprießen, schließlich zu wachsen und so dick und prächtig zu werden, dass man ihn aus der Landschaft nie mehr würde wegdenken können. Doch eines Tages kamen Camion und Trax, um den guten Alten (wobei wir dessen Charakter noch nicht so genau kennen) zu entwurzeln. Er stammt von einem Feld, wo er dem Bauer im Weg stand. Den Umzug zu uns hat er gut überstanden. Bis zu zehn Metern hoch kann er nun wachsen. Schon jetzt schaut er uns auf die Dachterrasse und wir ihm in die Krone. In seinem Stamm kann man sich verstecken und seine weißen Früchte schmecken süß. Noch in den Vierziger Jahren hielten sich die Leute in der Gegend Seidenspinner-Raupen. Deren Kokons enthalten die Fasern für Seide. Die Raupen ernähren sich von den Blättern der Maulbeerbäume und die Kinder wurden geschickt, um Blätter zu sammeln für die Tierchen.
Nebenbei, vielleicht aber unwichtig: Die Seidenspinner gehören zu den Echten Spinnern.

Termin-Anfragen per Mail an Sibylle oder an Stefano Ciarloni Gabathuler.

 

 

 

 

Die Reihe dient der Behauptung von Vorkommnissen und deren ungenauer Untersuchung. Sibylle Ciarloni ist die Autorin und Herausgeberin. Die Inhalte können in verschiedenen Formen und in verschiedenen Verlagen erscheinen. Das erste Buch erschien im Dezember 2017 im Amsel Verlag Zürich.

Acapulpo –
Edition für Subjekt und Phänomen.
Edizione per soggetto e fenomeno.
By Sibylle Ciarloni

Sibylle Ciarloni:
„In einer Zeit, in der zur Sicherheit Daten gesammelt werden, behaupte ich beobachtete Mehrheiten, die niemand zählt. Vorkommnisse. Phänomene. Ich will wie immer die Beziehung zwischen Gegenstand und Vorkommnis betrachten und in den Publikationen der Edition Acapulpo bannen – so lange jedenfalls, bis sich alles wieder neu betrachten lässt. Denn die Welt wird immer anders sein, als ich sie sehe und sie mich jetzt anschaut.“
Die Publikationen werden im Kontext von Kunst und Literatur und Philosophie und vielleicht auch Reisen gezeigt und vertrieben. Der Erlös geht an den Verlag und die Macherinnen und Macher und dient neuen Projekten.

Bibliografische Angaben zum 1. Buch:

Sibylle Ciarloni
Strandläufer – lungomare
Foto Essay

Das Buch ist ein Foto Essay über das Phänomen, dass Männer eher alleine dem Ufer entlanggehen. Mehr als zehn Jahre lang hat die Autorin beobachtet und fotografiert. Dann hat sie gezählt, um zu behaupten. Jetzt versammeln sich die Strandläufer in einem Buch.

Mit Gedichten von Andrea Angelucci und einer Erzählung von Sibylle Ciarloni. Alle Texte erscheinen zweisprachig, Deutsch und Italienisch. Sibylle Ciarloni lebt und arbeitet in der Schweiz und in Italien.

26 CHF
14 x 25 cm
280 Seiten
ISBN 978-3-906325-26-2
Texte Deutsch und Italienisch.

Bilder und Essay: Sibylle Ciarloni
Gedichte von Andrea Angelucci (aus dem Italienischen übersetzt von Sibylle Ciarloni).
Gestaltet wurde das Buch von Corinne Zora Schiess, gedruckt von Newpress bei Belgrad.
Erschienen im Dezember 2017 bei Milenko Lazic im Amsel Verlag Zürich.

Das zweite Buch in der Edition Acapulpo erscheint im Winter 2019 und widmet sich einem weiteren Phänomen.