Terrainerweiterung

Im Wortsinn verrückt sind die Grenzen. It’s a wild world! UN OSSERVAZIONE

Ich sang schon Englisch, als ich noch kein Englisch verstand. Ich sang AC/DC Lieder mit und Sarah, eine Freundin, bewunderte mich für meine Englischkenntnisse. Das wusste ich nicht bis zu einem Klassentreffen vor ein paar Jahren. Und nein, ich wusste auch nicht, was ich da singe.

Das habe ich erst nach den ersten Stunden in Englisch begriffen. Bald war also Zeit, auf natürliche Weise langsam aber sicher zu inhaltlich gehaltvolleren Texten zu wechseln. Bei den Metallern fand ich nicht viel, bei den Psychedelen auch nicht, New Wave …naja. Doch da waren zum Beispiel Cat Stevens, später R.E.M. und andere.
In Französisch war mir die Lehrerin zu streng, als dass ich mich für die Lieder aus der Kultur interessiert hätte. Das kam erst viel später. Ebenfalls später erst nach den ersten Takten in Englisch, sang ich Italienisch – mit Eros Ramazzotti. Nicht freiwillig. Der Italienischlehrer zwang uns im Labor zu diesem dolce Textverständnis. Endlich ein Lehrer, der etwas vom Lernen einer anderen Sprache verstand, diesem Werkzeug, das uns zusammenbringt oder trennt, verstört und glücklich macht. Ich werde nie müde, denjenigen zu danken, die mir Zutritt zu den Sprachen verschafft haben. Meinen Lehrern und meinen Lieben.
Auch Vasco Rossi dankte schon seinem Italienischlehrer, der ihm die Sprache so nah gebracht hat, dass er mit ihr mindestens zwei Generationen aus der Tiefe geholt oder am Rand derselben begleitet hat. Manche ein ganzes Leben lang. Voglio una vita spericolata!

Wir sind umgeben von Sprache in der Musik, auf Plakaten, im Zugabteil nebenan, im Theater, am Radio, im Internet, zwischen uns am Tisch und am Telefon und auf unseren Spaziergängen, in den Zeitungen und Zeitschriften, in unserer Korrespondenz und in Büchern. Sprache ist Politik, Sprache hat Macht. Sprache muss deshalb sorgfältig angewendet werden.

Ich freue mich heute über den Literaturnobelpreis für Bob Dylan. Und dass einmal mehr nicht ausschließlich zwei Buchdeckel darüber entscheiden, was zu Literatur gehört.